Wer Medion-Chef Gerd Brachmann sehen will, hat nur eine Chance: die Hauptversammlung seines Unternehmens
Der Schattenmann aus Essen

Gerd Brachmann macht sich nichts aus öffentlichen Auftritten, im Gegenteil, fast könnte man meinen, er scheue das Licht der Öffentlichkeit. Der Multimillionär und Vorstandschef der Medion AG möchte halt „nur ein normales Privatleben führen möchte".

ESSEN. Kein Foto gibt es von ihm. Nicht einmal die üblichen Kopf-Brust-Porträts, die aus den Akten von Personalabteilungen zu stammen scheinen. Und auch keine Uralt-Ablichtungen als Jugendsünde. In Talkshows ist er auch nicht zu sehen, und von Interviews hält er ohnehin nichts.

Gerd Brachmann macht aus seinem Äußeren ein großes Geheimnis. Wer das lüften will, hat nur einmal im Jahr die Gelegenheit dazu: auf der Hauptversammlung der Medion AG. Da hat der Multimillionär, Gründer, Großaktionär und Vorstandschef des Unternehmens, das Discount-Händler wie Aldi mit Unterhaltungselektronik beliefert, keine Chance: Er muss auf das Podium, diesmal im Congress Center West in Essen, Saal Europa.

„Da, der ist es“, sagt der Sicherheitsmann an der Saaltür. Brachmann steht auf dem Podium im Gespräch mit Vorstandskollegen, kurz vor dem Beginn der Hauptversammlung: unauffällig, sehr schlank, groß gewachsen, mit schmalem Schnurrbart, dunklem, vollem Haar, das im Nacken bis zum Kragenansatz reicht. Auf dem langen Hinterkopf sträuben sich ein paar Haare gegen den sportlichen Schnitt.

Das ist der fotolose Vorstandschef, der „nur ein normales Privatleben führen möchte“, wie er dem „Manager Magazin“ vor kurzem in seinem ersten und einzigen Interview überhaupt sagte.

Mit federndem Schritt geht der 45-Jährige zum Rednerpult, und das im Schweinwerferlicht. Leicht schüchtern wirkt er, jungenhaft. Große Reden vor Publikum scheinen seine Sache nicht zu sein. Ernst liest er den Vortrag vom Blatt. Erst später wird er lockerer, als er über die digitale Zukunft in der Unterhaltungselektronik spricht. Da lächelt er, verwandelt sich in den begnadeten Verkäufer Brachmann, der Menschen für sich einnehmen kann.

Etwa 400 Aktionäre sind gekommen, wollen hören, wie er das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen will. Denn es steht nicht gut um Medion: Der Umsatz ist im ersten Quartal weiter eingebrochen, um 17,6 Prozent auf 631,4 Millionen Euro. Das Ergebnis stürzte von 45,5 Millionen auf 12,5 Millionen Euro. „Der Preisverfall in der Konsumelektronik“ sei schuld, sagt Brachmann, die Dollarschwäche und die „verschlechterte Fixkostenquote“. Im Jahr 2004 war der Umsatz um zehn Prozent auf 2,62 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis um über die Hälfte auf 86 Millionen Euro gefallen.

Medion musste eine Gewinnwarnung herausgeben – eine ungewohnte Erfahrung für den Erfolgsmenschen Brachmann. 1983 gründete er Medien zusammen mit Geschäftspartner Helmut Linnemann, der später ausstieg. Sein Geschäftsmodell: Er liefert großen Handelsketten wie Aldi oder Tchibo günstige Produkte wie Mobiltelefone oder Computer maßgeschneidert für ihr Sortiment. Fertigen lässt er sie bei Dritten, er steuert Qualitätsmanagement und Logistik, kümmert sich um Beratung und Reparaturservice mit eigenen Call-Centern.

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