Werben in eigener Sache
Chefs von Springer & Jacoby kämpfen um ihren Job

Die Chefs der traditionsreichen Hamburger Agentur-Holding Springer & Jacoby präsentieren derzeit nicht etwa die neueste Werbestrategie für eine Luxusmarke. Sie werben in eigener Sache. Adrett, in dunklen Anzügen gekleidet, erläutern die Jungmanager vor gut zwei Wochen Journalisten ihr neues Firmenkonzept. Sie wollen eine der führenden Agenturen Deutschlands radikal umbauen.

HAMBURG Die beiden wirken wie ein gut eingespieltes Team: mal drückt Erik Heitmann, mal sein Kollege Oliver Schwall auf den kleinen handlichen Auslöser des Diaprojektors. Fotos aus alten US-Filmstreifen oder Stiche aus Zeiten vor der Jahrhundertwende flimmern breitflächig über die cremefarbene Wand im Konferenzraum. Dazwischen tauchen Charts auf.

Für den geplanten Readikalumbau geben sie die bisherige Fünf-Säulen-Struktur auf, streichen Stellen und bieten Kunden künftig eine Art „Aldi“-Tarif an, wenn sie nur Standardleistungen wünschen. So wollen die beiden Chefs die Agentur nach drei Jahren Rezession in der Werbebranche wieder auf Gewinn trimmen. „Wir wollen uns selbst radikal verändern, um die neuen, härteren Wetterbedingungen auf dem Werbemarkt zu bestehen“, formuliert es Schwall.

Doch der Umbau stößt bei den etwa 500 Mitarbeitern und großen Kunden auf Skepsis. Denn die wichtigste Frage klammern die Agenturchefs aus: Wer betreut künftig den millionenschweren Werbeetat von Mercedes-Benz? Seit die Deutschland-Chefs Alexander Schill und Jörg Schultheis das Unternehmen vor einigen Monaten im Streit verlassen haben, ist die Stelle vakant.

Mercedes-Benz ist deshalb verschnupft: Öffentlich droht der Stuttgarter Autohersteller, nach sechzehn Jahren die Stammagentur zu wechseln. Auch Bierbrauer Veltins will Springer & Jacoby den Rücken kehren. Dies wäre für die Ikone der deutschen Werbeszene ein herber Schlag. In diesem Fall würde die Agentur, die Kunden wie Bahlsen und den Berliner Springer-Verlag betreut, ein Drittel ihres Umsatzes verlieren – ihr Image wäre angekratzt.

Ob Heitmann und Schwall aber die Stuttgarter halten können, ist fraglich. Die beiden Werber scheinen der Aufgabe nicht gewachsen, munkeln Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand. Vor allem Heitmann fehle der Biss für den Job. Optisch gibt sich der 39-Jährige zwar gern das Image eines jungen Wilden. Locker lässt er seine blond gegelten Haare ins Gesicht fallen, das Hemd ist weit geöffnet. Er wirkt wie der Shooting-Star einer Teeniegruppe. Doch sein laxer Stil gefällt nicht allen Kunden. Dies bekam der gebürtige Hamburger vor einigen Jahren zu spüren. Damals war er kurz Berater für den millionenschweren Etat von Mercedes-Benz.

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