Werner Aichinger soll die Werkstatt-Kette ATU Auto-Teile-Unger an die Börse führen
Der Quereinsteiger vom Finanzamt

Er war erst 18 Jahre alt, noch Schüler und fuhr einen alten Renault „R4“. Werner Aichinger brauchte dringend neue Reifen. Im Laden im oberpfälzischen Altenstadt bediente ihn ein gewisser Peter Unger. „Schon bei unserer ersten Begegnung fiel mir auf, wie gut ich auch als kleiner Kunde mit wenig Geld behandelt wurde“, erinnert sich der 47-Jährige noch heute.

WEIDEN. Dass aus dem reinen Reifengeschäft einmal die größte konzernunabhängige Werkstatt- und Autoersatzteilkette in Deutschland mit 450 Filialen und über 12 000 Beschäftigten werden würde, war damals nicht absehbar. Und schon gar nicht, dass Aichinger fast 30 Jahre später einmal auf dem Chefsessel bei ATU Auto-Teile-Unger landen und als Nachfolger des Firmengründers Peter Unger das Unternehmen an die Börse bringen würde.

Aichinger, mittelgroß, mit feingliedriger Brille, wirkt auch heute nicht wie ein knallharter Manager, sondern eher unauffällig wie ein Oberstudienrat. Seine krausen Haare zwingt er nur mühsam in eine Frisur. Seine Anzüge fallen eher schlicht aus. Seine Krawatten sind locker geknotet, vielleicht eine Spur zu bunt. Und auf Statussymbole wie teure Uhren verzichtet er. Sein Chronometer verschwindet bisweilen auf der Innenseite des Handgelenks.

In seiner ruhigen Art versucht er, die Menschen mit Freundlichkeit und Offenheit zu gewinnen, als wollte er seinem Vorbild Unger nacheifern. „An ihm fasziniert mich am meisten, dass er jede Putzfrau mit dem gleichen Respekt behandelt wie einen Vorstandschef“, sagt Aichinger über Unger. Dieser Stil kommt auch bei den einfachen Mitarbeitern an. Kein böses Wort fällt über den Chef, „der ist wirklich sehr nett und tut nicht nur so“, sagt eine Mitarbeiterin.

Mit Nettigkeit kann man aber kein Unternehmen verkaufen. Auf seiner ersten großen Pressekonferenz, gestern im oberpfälzischen Weiden, bringt Aichinger die Börsenstory gut rüber, lässt sich nicht provozieren. Er wird nur etwas nervös, weil er Details zum Börsengang noch nicht sagen darf, außer dass er bis spätestens Ende September über die Bühne gehen soll.

Dass Aichinger nicht so ganz in das gängige Manager-Schema passt, hängt mit seinem ungewöhnlichen Karriereweg zusammen. Den studierten Juristen zieht es zunächst in die bayerische Finanzverwaltung, wo er sich in 14 Jahren bis zum stellvertretenden Leiter des Finanzamts Weiden hocharbeitet. In dem Ort mit rund 40 000 Einwohnern nördlich von Regensburg verbringt er bis auf zwei Abstecher nach Bonn und München nahezu sein ganzes Leben. „In der Gegend kennt man sich im Laufe der Jahre schon untereinander“, sagt der bodenständige ATU-Chef. Erst überschnitten sich die Freundeskreise, dann lernten sich Unger und Aichinger persönlich kennen. „Beruflich hatte ich mit ihm nichts zu tun“, versichert der Vorstandschef. Er habe etwa nie die Bücher von ATU geprüft.

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