Werner Böck
Marc-O'Polo-Inhaber: Immer geradeaus

Der Urbayer Werner Böck hat Marc O'Polo von der Provinz aus zur internationalen Modemarke gemacht. Die Krise spürt er kaum mit der Marke, die auf Naturmaterialien setzt und auf puristische Linien ohne modischen Schnickschnack. Gegen den Trend eröffnet Böck neue Läden.

STEPHANSKIRCHEN. Wer Werner Böck treffen will, muss in die bayerische Provinz fahren. Nach Stephanskirchen, einer Gemeinde in der Nähe von Rosenheim, etwa 70 Kilometer östlich der Modemetropole München. Von hier aus steuert der Urbayer Böck den Modekonzern Marc O'Polo, den manche für ein italienisches oder ein skandinavisches Unternehmen halten.

Von wegen. Marc O'Polo ist fest in deutscher Hand. Sein Chef und Inhaber ist im benachbarten Rosenheim aufgewachsen, kernige Figur, gesunde Gesichtsfarbe. Er verkörpert eine Marke, so naturverbunden wie er und das Städtchen Stephanskirchen mit seinen Bauernhäusern und seiner Wiesenlandschaft außen herum. Marc O'Polo setzt auf Naturmaterialien und puristische Linien ohne modischen Schnickschnack.

Genauso geradlinig und konsequent wie der 65-jährige Chef, der stets nur Kleidung des eigenen Hauses trägt. Er hat das Modeunternehmen - ohne viel Aufhebens - zu einer internationalen Marke ausgebaut. In den vergangenen fünf Jahren hat er den konsolidierten Umsatz auf 288 Millionen Euro mehr als verdoppelt und die Mitarbeiterzahl auf 1 400 erhöht.

Die Krise spürt er bisher kaum. "Wir werden den Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 (31. Mai) auf über 300 Millionen Euro steigern." Das ist zwar bescheidener als die ursprünglich geplanten 316 Millionen Euro. Aber große Konkurrenten wie Escada und Hugo Boss rechnen mit sinkenden Umsätzen. Außerdem erwartet Böck wiederum eine Umsatzrendite (Ebit/Betriebsergebnis) von "über fünf Prozent". In der Branche ist zu hören, dass die Rate deutlich darüber liegt. Und er eröffnet dieses Jahr zehn neue Läden.

Böck geht eben seinen eigenen Weg. Der Mann, der Mode in der früheren Hutmanufaktur und dem späteren Herrenausstatter seiner Eltern in Rosenheim kennenlernt, entdeckt die Marke Marc O'Polo 1967 auf einer Messe in Köln und ist von dem puristisch-lässigen Stil angetan. Kurz zuvor hatten drei Schweden die Marke gegründet. Ein Jahr später übernimmt er den Deutschland-Vertrieb. Der Knitterlook hat es damals schwer, gegen die glatten Kunstfasern zu bestehen. Doch mit einfarbigen Sweatshirts, auf denen der Markenname prangt, gelingt ihm bei Schülern schließlich der Durchbruch.

Als die Marke in den achtziger Jahren schwächelt, kauft er zunächst 40 Prozent der schwedischen Muttergesellschaft, später weitere Anteile und verlegt den Firmensitz 1997 von Stockholm ins bayerische Stephanskirchen. Heute gehören ihm 90 Prozent und je fünf Prozent dem Vertriebsvorstand Alexander Gedat und dem Marketingvorstand Andreas Baumgärtner.

Böck positioniert die Marke preislich zwischen dem mittleren und dem Luxussegment. Sie konkurriert mit Tommy Hilfiger, Gant und Ralph Lauren.

Er erweitert im Laufe der Jahre das Programm um Schuhe, Düfte und andere Accessoires, eröffnet eigene Läden und verkauft immer mehr über Franchisegeschäfte und große Partner wie Wöhrl sowie Peek & Cloppenburg. Heute macht er 60 Prozent des Gesamtumsatzes in Deutschland und den Rest im europäischen Ausland.

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