Werner Marnette
Der Napoleon von Hamburg

Werner Marnette, Chef der Norddeutschen Affinerie, legt sich gern mit mächtigen Gegnern an.

DÜSSELDORF. Der Mann handelt, solange er noch handeln kann. Als vor gut einer Woche der österreichische Investor Mirko Kovats überraschend seinen Einstieg bei der Norddeutschen Affinerie (NA) in Hamburg bekannt gab, sprach NA-Chef Werner Marnette noch von einem "nicht sonderlich bewegenden Vorgang".

Er habe, so sagte er kurz darauf dem Handelsblatt, von den Verkaufsabsichten seines Großaktionärs, der Lübecker Possehl-Stiftung, schon seit einiger Zeit gewusst. Denn dort sitze er im Aufsichtsrat. Dass Possehl nun verkaufe, stimme ihn schon ein wenig traurig. Andererseits fände er es gut, dass Kovats das Aktienpaket übernehme. Denn der sei ein industrieller Investor. Der Einstieg einer Heuschrecke wäre in Marnettes Augen kritischer gewesen. Dann hätte er sich gewaltig umstellen müssen.

Seit nunmehr 13 Jahren und damit ungewöhnlich lange für einen börsennotierten Konzern, steht der promovierte Metallurge Marnette an der Spitze der NA. In Unternehmenskreisen heißt es, der inzwischen 61-Jährige sehe sich als Patriarchen, der sich väterlich um seine 3 200 Mitarbeiter sorge. Nur ein einziges Jahr in seiner beruflichen Karriere hat Marnette einem anderen Herren gedient. Das war 1979, als er zur Korf Stahl AG wechselte und, wie er selbst sagt, "eine hochspannende Zeit" mit dem "sehr sprunghaften" Stahlunternehmer Willy Korf verbrachte.

Geht es um sein Unternehmen, ist der gebürtige Kölner kaum zu bremsen. Um Finanzinvestoren abzuschrecken und Kovats den Kauf weiterer NA-Aktien teuer zu machen, übernimmt Marnette nun für knapp 800 Millionen Euro den belgischen Konkurrenten Cumerio. Vor drei Jahren hätte er weniger als die Hälfte bezahlt, sagen Analysten.

Als er vor sechs Jahren Vorsitzender des Energiesausschusses des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) wurde, legte er sich gleich mit den mächtigen Stromkonzernen an. Denen warf er vor, mit überzogenen Preisen besonders energieintensive Unternehmen wie die NA aus dem Land zu treiben. "Die Energiepreistreiberei ist ein Damoklesschwert für die deutsche Industrie", polterte der engagierte Verfechter von mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt. Bei der NA mit ihrem Stromverbrauch von mehr als einer Milliarde Kilowattstunden im Jahr schlägt jede noch so kleine Preiserhöhung sofort auf die Ergebnisrechnung durch und behindert sie im internationalen Wettbewerb.

Seine Gegner hüllen sich lieber in Schweigen, wenn man sie nach Marnette befragt. Der hatte den Bogen endgültig überspannt, als er den vier führenden Stromkonzernen in Deutschland vorwarf, sie hätten das Land in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Im Sommer 2005 musste Marnette seinen BDI-Posten abgeben. Dafür kämpfte er nun um bessere Stromkonditionen für seine NA in Hamburg. Vattenfall Europe setzte er mit dem Plan unter Druck, auf dem Firmengelände der Kupferhütte ein eigenes Kraftwerk zu bauen. Vor kurzem wurde der Streit beigelegt.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%