Wertestudie bei Führungskräften
Manager legen keinen Wert auf Mut

Wegen jüngster Korrputionsfälle gewinne Werte in Unternehmen an Bedeutung. Manager schätzen immer mehr die Bedeutung von Integrität. Was sie als wenig wichtig erachten: Mut.
  • 1

DüsseldorfWertschätzung und Entwicklungsmöglichkeiten: Auf diese beiden Punkte legen Führungskräfte in Deutschland größten Wert in ihren Unternehmen. Doch genau daran hapert es. Denn Wunsch und Wirklichkeit klaffen stark auseinander – mit negativen Auswirkungen auf die Motivation der Manager und ihre Kooperationsbereitschaft. Zugleich hat die Bedeutung des Wertes „Integrität“ angesichts der jüngsten Manipulations- und Korruptionsfälle in der Wirtschaft weiter zugenommen.

Erstmals rangiert „Integrität“ bei den Führungskräften in diesem Jahr an der Spitze der von ihnen geschätzten Eigenschaften, so das Ergebnis der diesjährigen Führungskräftebefragung der Wertekommission. Integrität wird somit als wichtiger erachtet als „Vertrauen“ und „Verantwortung“, die in früheren Jahren die Rangliste der sechs wichtigsten Werte noch angeführt hatten. Diesmal belegen sie nur die Plätze zwei und drei. Es folgen „Respekt“ und „Nachhaltigkeit“. Aktuelles Schlusslicht ist „Mut“.

In der Wertekommission haben sich rund 1500 Manager zusammengeschlossen, die sich für Werte im Wirtschaftsleben stark machen. Das Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance (RMI) der Universität Witten/Herdecke hat für die Studie mehr als 350 Führungskräfte aller Altersgruppen und Unternehmensgrößen aus Deutschland befragt. Knapp 90 Prozent kamen aus dem mittleren oder dem Top-Management.

„Eine möglichst große Übereinstimmung zwischen persönlichen Werten der Führungskräfte und den Unternehmenswerten, auch dies zeigt die Befragung, erhöht die Selbstmotivation des einzelnen und fördert sein eigenverantwortliches Handeln“, erläutert Ludger Heidbrink. Er ist Gastprofessor am RMI und Vorstandsmitglied der Wertekommission.

Gibt es hingegen keine ausreichende Basis an gemeinsamen Werten im Unternehmen, droht die Gefahr, dass Führungskräfte nur wegen äußerer Anreize wie Bonuszahlungen oder dem Streben nach Beförderung arbeiten. Solche sogenannten extrinsisch motivierten Führungskräfte weisen laut Studie eine geringere Kooperationsbereitschaft auf – was sich als Nachteil besonders in innovativen Branchen erweist, in denen Unternehmen auf bereichsübergreifende Innovationen und Synergien angewiesen sind, um im Wettbewerb zu punkten.

Außerdem kommt es in solchen Organisationen mit eher technokratischer Unternehmenskultur mehr auf Vorschriften und Regeln an – und die Einhaltung der sogenannten Compliance-Maßnahmen. Die nachlassende Bedeutung des Wertes „Mut“ in den Augen der Führungskräfte könnte eine Folge der anhaltenden Compliance-Diskussion sein. Sven Korndörffer, Vorstandsvorsitzender der Wertekommission, sagt: „Dass 'Mut' nur auf dem letzten Platz landet, ist bedauerlich. Denn es kommt jeden Tag aufs neue darauf an, für seine Werte einzutreten. Das erfordert mitunter großen Mut.“

In einem Interview mit Management-Trainer Boris Grundl lesen Sie, warum seiner Meinung nach Superhelden als Chefs ausgedient haben.

Kommentare zu " Wertestudie bei Führungskräften: Manager legen keinen Wert auf Mut"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wir haben eine werteorientierte Unternehmensführung nachhaltig eingeführt:
    Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Mut und Vertrauen sind die Grundwerte unseres Denkens und Handelns gegenüber Kunden und Mitarbeitern.
    Dies ist eine sehr anspruchsvolle aber lohnende Investition in unsere Mitarbeiter.
    Hans Herrmann
    www.autozentrum-dobler.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%