WestLB-Chef Dietrich Voigtländer
Die Gunst der Stunde genutzt

Es gibt Männer, die fühlen sich in der zweiten Reihe wohl und werden durch die Umstände oder das Schicksal – wie immer man es nennen mag – plötzlich an die Spitze katapultiert. Dietrich Voigtländer ist so ein Mann. Er sitzt bei der WestLB auf dem heißesten Chefsessel, den die Landesbanken zu bieten haben. Langsam fühlt er sich dort wohl.

FRANKFURT. Knapp ein Jahr drehte Dietrich Voigtländer im Maschinenraum der WestLB an den Stellschrauben für Kosteneinsparungen, etwa am „Kreditprozess Firmenkunden und strukturierte Finanzierungen“ – und feierte im Stillen seine Erfolge. Dann kam der Montag, der 18. Mai 2009, und plötzlich stand er auf der Brücke und ist seitdem Kapitän. Sein Vorgänger, Heinz Hilgert, vermisste den Rückhalt der Sparkassenverbände – den Mehrheitseigentümern der Bank – für seinen Sanierungsplan und ging von Bord. Seitdem ist der 50-jährige Voigtländer kommissarischer Vorstandsvorsitzender der Landesbank.

Der diplomierte Wirtschaftsingenieur gilt im Umgang mit seinen Mitarbeitern als „absolut unkompliziert“ und „sehr konsequent“. Aus seiner IT-Welt hat er gelernt, dass man ein Problem so lange analysieren muss, bis man es lösen kann. Das größte Problem der WestLB waren und sind ihre Eigentümer – selten ziehen sie an einem Strang, wenngleich sie genau das immer öffentlich beteuern. Das galt zumindest bisher auch für die Frage, wer letztlich für die Auslagerung von Aktiva im Volumen von fast 90 Mrd. Euro haftet. Die Sparkassen zeigten sich in dieser Frage mehr als zurückhaltend, was Hilgert zur Weißglut gebracht hatte. Im Grunde findet wohl auch Voigtländer, dass es zu einer „Bad Bank“ für Nicht-Kernbereiche der notleidenden WestLB keine Alternative gibt. Aber vielleicht hat er mehr Geduld und erreicht so am Ende einen Kompromiss. Gestern, auf der Aufsichtsratssitzung der Bank, dürften das Projekt „Omega“ und die Garantien dafür sicher wieder ein Thema gewesen sein. Parallel dazu fanden die Ministerpräsidenten der Länder und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in Berlin einen Durchbruch für die Bad Banks und die Konsolidierung der öffentlich-rechtlichen Institute. Gute Chancen also, dass man auch am Rhein zu einem „Westfälischen Frieden“ mit den Sparkassen findet und bis Ende Juni eine Lösung präsentiert wird.

Dann stünden auch die Sterne für Voigtländer nicht schlecht, noch lange auf dem Chefsessel sitzen zu bleiben. Schließlich hat er in der Mitarbeiterzeitschrift der Bank einmal ein besonderes Talent für schwierige Situationen herausgestellt. „Kreative Problemlösungen“ begeisterten ihn. Darin bekannte der passionierte Segler auch sein Lebensmotto: „Just do it.“ Entsprechend ärgert sich Voigtländer auch am meisten über Desinteresse und „Dienst nach Vorschrift.“

Bisher boten seine Spezialgebiete IT, Organisations- und Prozessmanagement sowie Zahlungsverkehr kaum Stoff für eine Karriere im Rampenlicht. Doch diese Zeiten dürften unwiederbringlich vorbei ein. Beobachter meinen, Voigtländer fange langsam an, die Vorzüge der ersten Reihe zu schätzen.

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