WestLB-Chef ist Präsident des Bundesverbandes
Neuer Gegenspieler von Breuer & Co

Einen spannenderen Zeitpunkt hätte sich Thomas Fischer kaum aussuchen können, um an die Spitze des Verbandes Öffentlicher Banken (VÖB) aufzurücken, der auch die Interessen der Landesbanken vertritt.

FRANKFURT. Die befinden sich in einem drastischen Umwandlungsprozess, ausgelöst durch den Wegfall der Staatsgarantien Mitte kommenden Jahres. Was das bedeutet, hat Fischer eben erst beim Ringen um eine auskömmliche Bonitätsbewertung für die WestLB erfahren. Die führt er seit Anfang des Jahres. Seitdem hat er das einstige Flaggschiff der Landesbanken, welches auf Grund fehlgeschlagener Geschäfte unter Milliardenverlusten litt, auf Kurs bringen können. Das hat vielen öffentlichen Bankern imponiert.

Jetzt wagt sich Fischer an zusätzliche Aufgaben. Als VÖB-Verbandschef könnte er entscheidenden Einfluss auf die Strukturen der Sparkassen–Finanzgruppe nehmen. Dabei gibt sich der 56-Jährige als Reformer: Er hält Fusionen von Landesbanken für wichtig. Gleichzeitig gilt er als überzeugter Verfechter einer tieferen Arbeitsteilung innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Dabei sind jedoch eine Menge Klippen zu umschiffen: Wie schwer sich die Sparkassen bei der Zusammenarbeit mit Spezialinstituten tun, zeigte sich kürzlich bei der Krise um die Dekabank. Den Landesbanken fällt Kooperation noch schwerer. So blieb die von Sparkassen-Präsident Dietrich Hoppenstedt angestrebte Bildung von Kompetenzcentern bei Landesbanken früh stecken.

Einig waren sich die Landesbanker aber bei der Wahl Fischers. Bei dem Rundruf am Dienstagabend gab es keinen Gegenkandidaten. Die Landesbanker sind überzeugt, dass Fischer „frischen Wind“ in den VÖB bringen wird. Der WestLB-Chef soll den Anliegen der öffentlichen Banken gegenüber der Politik mehr Gewicht verleihen. Schließlich rechnet niemand im öffentlichen Bankensektor damit, dass die privaten Konkurrenten darauf verzichten, die Privatisierung von Landesbanken und Sparkassen zu fordern.

Künftige Gegenspieler Fischers sind der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Banken, Rolf-E. Breuer, sowie der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Deren Überzeugungen und Ideen kennt der neue VÖB-Präsident noch gut aus seiner dreijährigen Zeit als Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bank. 2002 verließ er das Geldhaus nach einem Streit mit Ackermann.

Fischer ist überzeugt, dass die öffentlichen Banken nur als Gruppe eine Chance haben. Die Konsolidierung des Bankensektors sollte zunächst in den drei Bankensäulen ablaufen, alles andere wäre zu komplex, warnt Fischer. Offen lässt er jedoch, was danach passieren sollte.

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