WestLB
Hilgert: Durchsetzungsfähiger Banker geht

Nach nur etwas mehr als einem Jahr im Amt schmeißt WestLB-Chef Heinz Hilgert hin. Der ehemalige DZ-Vorstand war am 1. Mai 2008 als Nachfolger von Alexander Stuhlmann angetreten.

sos/HB. DÜSSELDORF. Noch vergangene Woche hatte Hilgert "äußerst gefasst" auf die Auflagen der EU-Kommission für die Landesbank reagiert. In einem Handelsblatt-Interview hatte er gesagt, dass er seit sechs Monaten mit den Eigentümern über neue Garantien von etwa fünf Mrd. Euro diskutiere, die nötig seien. Nun begründete er seinen Rücktritt mit "mangelnder Unterstützung der maßgeblichen Eigentümer".

Kapitalmarktexperte Hilgert war bei seiner Berufung als Nachfolger von Interims-Chef Stuhlmann offenbar Wunschkandidat des Landes Nordrhein-Westfalen gewesen. Bei seinem Amtsantritt wurde er vom Aufsichtsrat noch als "Mann der Gestaltung" gelobt. Dem Manager wurde große Erfahrung in der erfolgeichen Neuausrichtung von Geschäftsmodellen attestiert. Zudem verfüge er über "besondere Kompetenzen bei Fusionen und der Restrukturierung bankbetrieblicher Prozesse", hieß es damals.

Ein "kleinteilige Verwertung" der WestLB hatte Hilgert immer abgelehnt. Er räumte als erster deutscher Top-Banker eine Mitschuld der Branche an der Finanzkrise ein, wollte sogar auf Gehalt verzichten. "Wir Banker haben die Krise mitverschuldet."

Der 1953 in Lemgo geborene Hilgert hat den Ruf, ein harter Arbeiter zu sein, ein schneller Denker und ein scharfer Analytiker. Oft sitzt er schon morgens um 7 Uhr am Schreibtisch. Er gilt als penibel, nachtragend und sehr ehrgeizig. Ein Diplomat ist er nicht. Gesprächspartner lässt er schon mal seine Überlegenheit spüren.

Der durchsetzungsfähige Banker hat seine Karriere nach dem Wirtschaftswissenschaftsstudium bei der Chase Manhattan Bank begonnen. Später wechselte er in das Investment-Banking von Trinkaus & Burkhardt und ging von dort zu Sal. Oppenheim. Gut zehn Jahren später verabschiedete er sich ins genossenschaftliche Lager und arbeitete auch an der Fusion von SGZ-Bank und GZB-Bank zur GZ-Bank mit. Diese verschmolz im Anschluss mit der DG Bank zur DZ Bank.

Bei der DZ Bank brachte er es bis zum stellvertretenden Vorstandschef, verließ das Institut aber im Herbst 2007 nach Meinungsverschiedenheiten mit Vorstandschef Wolfgang Kirsch, dem er im Rennen um den Chefsessel unterlegen war. Kirsch hatte Hilgert ein gutes halbes Jahr zuvor zu seinem Stellvertreter gemacht, doch die Chemie habe nicht mehr gestimmt, hatte es aus dem Umfeld der Zentralbank geheißen. Neben dem Kapitalmarktgeschäft und dem Asset Management verantwortete Hilgert bei der DZ Bank das Private Banking und die Konsumentenfinanzierung und fädelte unter anderem 2003 den Kauf des Konsumentenfinanzierers Norisbank ein.

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