Wettbewerbsfaktor Einkauf
Neue Helden

Nur die Preise drücken und Bestellungen abwickeln? Das war einmal. Einkäufer übernehmen künftig eine immer zentralere Rolle. Sie sind gefragt als Trendscout für Innovationen und als Vertrauensperson wichtiger Lieferanten auf der ganzen Welt.
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Selbst die simpelsten Produkte können einiges über weltumspannende Lieferketten erzählen. Zum Beispiel jene Baumwollsocken, die Fluggesellschaften auf Langstrecken an ihre Passagiere verteilen. Was die meisten Fluggäste nicht wissen: Bevor sie die Strümpfe anziehen, haben diese bereits eine Reise von 48 000 Kilometern hinter sich. Der Rohstoff Baumwolle wird in Amerika eingekauft, die Fäden in Indien gesponnen, anschließend von Lieferanten in China zu Socken verarbeitet, in Marokko gefärbt, in Italien verpackt und schließlich von dort aus in alle Welt verschickt.

Solche Lieferketten sind typisch für die globalisierte Wirtschaft. Sie sind das Werk strategisch denkender Einkäufer, die erkannt haben, dass bei den einfachen Socken die Transport- im Vergleich zu den Herstellkosten nicht ins Gewicht fallen, die wissen, wo in der Welt welcher Arbeitsschritt am besten erledigt wird und die keine Angst vor komplizierten Lieferwegen haben. "Von solchen Einkäufern wird Deutschland in Zukunft jede Menge brauchen", sagt Lutz Kaufmann, Einkaufsexperte von der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar. "Denn je arbeitsteiliger die globale Wirtschaft funktioniert, desto mehr wird Wertschöpfung hierzulande intelligent verknüpft statt selbst geschaffen."

Einkäufer - deren Aufgabe einst lediglich darin bestand, die Preise möglichst weit zu drücken und Bestellungen abzuwickeln - übernehmen künftig eine immer zentralere Rolle. Sie sind gefragt als Trendscout für Innovationen, als Vertrauensperson wichtiger Lieferanten auf der ganzen Welt. Vom Anbruch einer neuen Ära spricht deshalb Elisabeth Fröhlich, Beschaffungsexpertin an der Universität Köln: "Ein funktionierendes Netzwerk von Lieferanten wird zum strategischen Vermögensgegenstand, der Unternehmen erst in die Lage versetzt, ihre internen Ressourcen zu verbessern und zu vervollständigen."

Über Jahre haben viele Manager das immense Potenzial, das im Einkauf schlummert, nur unzureichend genutzt. Zwischen 40 und 70 Prozent ihres Umsatzes geben Unternehmen aller Branchen im Einkauf wieder aus. Und ein Euro, der im Einkauf eingespart wird, hat in der Regel denselben Effekt auf das Ergebnis wie zehn Euro mehr Umsatz.

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