Wettbewerbsstreit
Microsoft-Berater schnappt sich EU-Beamten

Die EU-Kommission muss sich offenbar einen neuen Mann für ihren Kampf gegen den weltgrößten Softwarekonzern suchen. Ein eigentlich für die Leitung des Microsoft-Falles vorgesehener Beamter will nun nämlich lieber für Berater des Softwareriesen arbeiten.

HB BRÜSSEL. Die EU-Kommission und die Unternehmensberatung LECG erklärten am Mittwoch, Henri Piffaut habe eine Beurlaubung von der EU-Kommission beantragt, um für LECG zu arbeiten. Piffaut sei als neuer Leiter der Abteilung der Kommission vorgesehen gewesen, die sich mit dem Microsoft-Fall und anderen Hochtechnologieunternehmen beschäftigt. Der Wettbewerbsstreit mit Microsoft über Auflagen für Microsoft-Programme und Geldstrafen von inzwischen insgesamt rund 780 Mill. Euro ist der prominenteste Fall der EU-Kartellbehörde.

Der Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, Piffaut habe um eine Beurlaubung gebeten und dies mit persönlichen Gründen begründet. Die Kommission habe über den Antrag noch nicht entschieden. Beurlaubte oder ausscheidende Beamte müssten eine Reihe von Auflagen einhalten, um Interessenkonflikte zu vermeiden, sagte der Sprecher. Ihnen könne Kontakt mit der Kommission verboten werden. Von ihnen könne auch verlangt werden, nicht in oder für Unternehmen zu arbeiten, deren Fälle sie in ihrer Arbeit in der Kommission auf dem Tisch hatten.

LECG-Direktor Atilano Jorge Padilla sagte, das Unternehmen wolle mit Piffaut seine Brüsseler Niederlassung ausbauen. Noch sei aber kein Vertrag unterzeichnet. Die Wahl sei auf Piffaut nicht wegen dessen Kenntnis von Kartellfällen wie Microsoft gefallen, sondern weil er Experte für Unternehmenszusammenschlüsse sei. Piffaut solle auch nicht für Microsoft oder andere Unternehmen arbeiten, mit denen er als Wettbewerbshüter zu tun gehabt habe.

Der bisherige Leiter der High-Tech-Abteilung der EU-Wettbewerbshüter wurde in dieser Woche zum Leiter der Abteilung für Finanzdienstleistungen der Wettbewerbsbehörde ernannt. Piffault sollte im Oktober sein Nachfolger werden.

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