WGZ Bank
Thomas Ullrich, der Mann ohne Makel

In den Fusionsgesprächen hat er sich empfohlen, nun wechselt Thomas Ullrich von der WGZ Bank in den Vorstand der DZ Bank. Die beiden genossenschaftlichen Zentralbanken, denen partout keine Fusion gelingt, teilen sich vorübergehend den IT-Vorstand. Mit Ullrich will die DZ Bank im Zahlungsverkehr wachsen und Kosten einsparen.

FRANKFURT. Fleißig sei er, sachkundig und ohne Allüren, heißt es über Thomas Ullrich. Einer der zuhören kann. Einer, der auch die Belange seiner Mitarbeiter im Hinterkopf behält. Wenn alles stimmt, was man über Ullrich zu hören bekommt, so ist er das Fleisch gewordene Ideal aus dem Management-Handbuch. Das einzige, was man nicht hört: Schlechtes. Höchstens, dass er häufig etwas steif und förmlich wirkt.

Der 47-Jährige hat im genossenschaftlichen Finanzverbund viele Fürsprecher, kaum Kritiker. Im Oktober wechselt er nun in den Vorstand der DZ Bank – und übernimmt den Posten, den er nach einer Fusion von DZ und WGZ Bank ohnehin erhalten hätte: Er wird zuständig für Informatik/Organisation und Operations/Services sein, also für Zahlungsverkehr und IT-Fragen. Für sechs Monate behält Ullrich parallel dazu sein Vorstandsmandat bei der WGZ. Damit teilen sich die Institute, denen partout keine Fusion gelingt, immerhin den IT-Vorstand.

Just nach der gescheiterten Fusion wechselt damit ein echtes WGZ-Eigengewächs an den Main. Seit 1981 arbeitete Ullrich beim Spitzeninstitut der rheinisch-westfälischen Genossen. Er war als vehementer Befürworter einer Fusion von DZ und WGZ bekannt und saß im Lenkungsausschuss, der die Fusion vorbereitete. Zugleich wird ihm ein enges Vertrauensverhältnis zu WGZ-Chef Werner Böhnke nachgesagt. Er gilt als Böhnkes Ziehsohn und seine rechte Hand.

Bei der WGZ heißt es, mit ihm sei gesichert, dass die IT-Philosophie beider Häuser nicht allzu weit auseinander drifte. Bei seinem künftigen Arbeitgeber ist zu hören, man habe ihn während der Fusionsgespräche kennen und schätzen gelernt. Im Zahlungsverkehr will die DZ Bank wachsen und Geld verdienen. Außerdem lässt sich nirgendwo sonst im Bankgeschäft so viel Geld einsparen wie in der IT. Ullrich kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Zumal er schon bisher in vielen Gremien genossenschaftlicher IT-Unternehmen saß.

Wie die Bits- und Bytes-Philosophie des erklärten Schalke-Fans aussieht, hat er bei seinem bisherigen Brötchengeber gezeigt. Seit 2000 betreut er dort im Vorstand die Themen Organisation, Zahlungsverkehr und Financial Markets Operations. Und er hat sich einen Namen gemacht als einer, der Systeme nicht gerne zukauft, sondern lieber in enger Abstimmung mit der eigenen Rechenzentrale, der GAD, entwickelt.

„Ullrich ist niemand, der plump Funktionen auslagert oder auf Teufel komm raus externe Systeme einkauft“, heißt es im Arbeitnehmerlager. Das unter Genossenschaftsbanken und Mitarbeitern höchst umstrittene Thema Outsourcing, also die Auslagerung wichtiger Funktionen, ist für den Westfalen kein Allheilmittel. Das bringt ihm auch bei den Volksbanken Pluspunkte ein, die nicht viel von Outsourcing halten, auch im Gebiet der DZ Bank.

Bei aller Fachkenntnis, als Computer-Nerd ist Ullrich nicht verschrien. Die schönen Künste pflegte er bei der WGZ als Zuständiger für die Kunstsammlung des Zentralinstituts. Seine Fußball-Leidenschaft pflegte er mit einer Dauerkarte für Schalke. Ins Gelsenkirchener Stadion kann Ullrich zwar auch künftig regelmäßig pilgern, doch eine Anreise mit dem Rad ist dann wohl nicht mehr drin. Derzeit lebt Ullrich in naher Nachbarschaft der Arena.

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