Wie der neue „F1“ Franz Fehrenbach den schwäbischen Weltkonzern umbaut: höheres Tempo für mehr Rendite
Bosch fährt Formel Franz

Jeden Morgen vor der Schule steigt der Junge auf sein Fahrrad. Er fährt durch ruhige Straßen an Höfen und Fachwerkhäusern vorbei. Zu dieser Zeit, in den späten fünfziger Jahren, begegnen ihm nur selten Autos hier im südbadischen Kenzingen, wo er mit seinen Eltern und den drei Geschwistern auf einem Bauernhof wohnt.

GERLINGEN. Ein paar Kühe, Felder, Rebstöcke. Vor der Schule bringt der Junge häufig noch die Milchkannen zur Molkereigenossenschaft. Gleich nach dem Unterricht geht es im Sommer aufs Feld. Es ist schön in dieser sanften Hügellandschaft zwischen Rhein und Schwarzwald. Eine Burgruine krönt einen Weinberg über der Stadt. Für die Hausaufgaben ist erst abends Zeit, auch als der Junge schon aufs Gymnasium geht und sich langsam ein anderes Leben als das seiner Familie vorstellen kann.

Der Fahrer wartet schon, die rechte hintere Tür ist geöffnet, Franz Fehrenbach lässt sich in die Ledersitze sinken. Aus einer Mappe zieht er ein Blatt Papier und fährt mit den Fingern grün markierte Buchstaben entlang, während er sich laut lesend durch das Tarifvertragsdeutsch kämpft. Bei einer Passage hält der Bosch-Chef inne: „Erhöhung oder Absenkung der Arbeitszeit mit oder ohne vollen Lohnausgleich.“ Er triumphiert nicht, er spürt nur seine Macht.

In dieser Februar-Nacht haben sich Metall-Arbeitgeber und -Arbeitnehmer auf einen Tarifabschluss im Südwesten geeinigt. Franz Fehrenbach selbst war es, der unbedingt Öffnungsklauseln haben wollte, um 40 Stunden arbeiten zu lassen, wenn es nötig ist. „Ich sehe es positiv, weil es ein Schritt in die richtige Richtung ist“, interpretiert er den Tarifabschluss, der den Gewerkschaften immer noch Mitsprache einräumt, „es wird sich zeigen, wie der Öffnungsspielraum genutzt wird“. Der schwere Wagen beschleunigt auf der linken Spur der A81, um den Bosch-Chef schnell zu seinem Ziel zu bringen.

Zwischen diesen beiden Szenen liegen mehr als 40 Jahre und eine ganze Welt. Von Kenzingen, seiner Heimatstadt, nach Gerlingen bei Stuttgart, dem Sitz der Bosch-Zentrale, sind es keine 200 Kilometer. Für ein Leben jedoch ist es eine weite Strecke. Manches hat Franz Fehrenbach aus der alten Welt mitgenommen, noch mehr zurückgelassen. „Inzwischen stehe ich mehr auf italienischem Weißwein und spanischem Rotwein“, sagt er verlegen grinsend, wenn er gefragt wird, ob er den Wein seines Bruders trinke, der heute das Gut der Eltern führt.

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