Wie der Vossloh-Chef die Brocken hinwarf
Ein rätselhafter Abgang

Völlig überraschend gibt Vossloh-Chef Burkhard Schuchmann sein Amt auf – und nennt nicht einmal den Grund.

FRANKFURT. Eigentlich soll es eine Routineveranstaltung werden: Der Mittelständler Vossloh, im MDax notierter Verkehrstechnikkonzern, lässt kurz vor Weihnachten das Geschäftsjahr Revue passieren – so wie immer.

Dann der vergangene Donnerstag. Keine 24 Stunden vor der üblichen Pressekonferenz teilt das Unternehmen aus dem sauerländischen Werdohl mit dürren Worten mit: Vorstandschef Burkhard Schuchmann verlässt das Unternehmen vorzeitig und schon zum Jahresende. Einen Grund verrät die Mitteilung nicht.

Der Journalistentross, der sich Freitag im „Salon 2“ des „Frankfurter Hofs“ in der Main-Metropole einfindet, hofft auf Antworten – und findet zunächst arrangierte Routine. Pressemappen, Kaffee, Weihnachtsgebäck.

Auf dem Fronttisch stehen die Namensschilder der drei Vossloh-Vorstände: Personalchefin Milagros Caina-Lindemann, Finanzvorstand Werner Andree – und Burkhard Schuchmann. Kommt er wirklich noch?

Kurz vor elf Uhr nehmen Lindemann und Andree ihre Plätze ein. Es wird still im plüschigen Ambiente. Es wird elf, zwei, drei Minuten nach elf. Nichts. Dann geht der Tagesschau-Kameramann vor der Tür in Position. Mit federnden Schritten, die seine silbrig gewordene Haartolle in hüpfende Bewegung versetzt, kommt der Mann, der in fast 20 Jahren aus dem Gemischtwarenladen Vossloh ein neues Unternehmen geformt und es an die Börse gebracht hat. Der den Unternehmenswert versechzigfachte, wie es die dürre Mitteilung über sein Ausscheiden einigermaßen dankbar festhält. Der Mann, der international in den Nischenmärkten des Bahngeschäfts ehrgeizige Wachstumsvisionen formulierte – zuletzt noch diese: Verdreifachung des Umsatzes auf drei Milliarden Euro bis Ende des Jahrzehnts.

Schuchmann versucht zu lächeln, als er die wartenden Journalisten sieht, doch es gerät etwas schief, fast unsicher. Er setzt sich zu seinen Vorstandskollegen, der Sprecher eröffnet die Pressekonferenz. Alles Routine? Nein: „Herr Schuchmann wird einige Worte an Sie richten, dann an Herrn Andree übergeben.“

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