Wie dubiose Berater leichtgläubige Unternehmer schröpfen – und ein Gericht sie jetzt bremst: Die helfende Hand

Wie dubiose Berater leichtgläubige Unternehmer schröpfen – und ein Gericht sie jetzt bremst
Die helfende Hand

Wie dubiose Berater leichtgläubige Unternehmer schröpfen – und ein Gericht sie jetzt bremst. Eine Handelsblatt-Reportage.

WORMS. Das Wort Scharlatan stammt aus dem Italienischen, es bezeichnete schon im Mittelalter alle möglichen Arten von umherziehenden Gauklern und unseriösen Marktschreiern. Heute kommen diese Leute gern mit einem Lederköfferchen.

Über dem Eingangstor zur herrschaftlichen Gründerzeit-Villa im Zentrum von Worms prangt in Edelstahl ein Globus. Das ist das Markenzeichen der Real Consultants GmbH Unternehmensberatung. Die Firma wirbt mit Spezialitäten wie „Internationalem Project Management, Reorganisation, Ertrags-Liquiditätssicherung“ und vielem anderen mehr. Bevorzugte Kundschaft: Handwerksbetriebe und kleine Gewerbetreibende.

Im Hof der Real Consultants stehen mehrere Luxuskarossen, auch drinnen ist alles vom Feinsten: Marmor, Mahagoni, großzügig bis großspurig. Klaus Herrmann, der Chef, empfängt persönlich, klein, drahtig wie Berti Vogts, der Terrier. Herrmann ist 56, die kräftigen grauen Haare elegant geföhnt. Früher war er einmal Schreiner, das ging schief. Jetzt vergleicht er sich gerne mit McKinsey. Seine Schwäche fürs Goldene ist schon auf den ersten Blick sichtbar, an den Ringen, ja selbst an der rot-goldenen Krawatte. Hier hat es einer zu etwas gebracht.

Seit etwa 20 Jahren ist Real Consultants im Geschäft, „Bilderbuchkarriere“ habe er gemacht, sagt Herrmann über sich selbst. Bis zu 250 Leute arbeiten heute für ihn, die Hälfte davon fest. Wirtschaftsauskunfteien geben Real gute Noten, der Jahresumsatz liegt bei etwa zehn Millionen Euro. „Ich bin mit harter Arbeit groß geworden und habe einen guten Namen“ sagt Herrmann.

Der könnte nun auf dem Spiel stehen. Denn am 27. Oktober 2003 hat das Oberlandesgericht Celle ein Urteil gefällt, das einer ganzen Reihe dubioser Unternehmensberatungen das Geschäft verleiden könnte. Vor dem 16. Zivilsenat klagte Real Consultants gegen einen Handwerksbetrieb auf Zahlung ausstehender Rechnungen. Doch statt der Klage, wie bislang vor Gericht fast üblich, zu folgen, korrigierten in Celle drei Richter etwa 20 Jahre deutscher Rechtsprechung. Statt wie bisher die Unterschrift des Kunden unter die wochenweise Abrechnung der Unternehmensberatung als „deklaratorisches Schuldanerkenntnis“ und damit gleichsam als Blankoscheck anzuerkennen, untersuchten die Celler Richter erstmals die Qualität der Beratung. Das Ergebnis war eindeutig.

Seite 1:

Die helfende Hand

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%