Wie Philippe Schaus Louis Vuitton führt: Im Dienste der Leidenschaft

Wie Philippe Schaus Louis Vuitton führt
Im Dienste der Leidenschaft

„Mich“, sagt Philippe Schaus, und seine blauen Augen huschen hin und her, „mich gibt es eigentlich nicht.“ Ein paar Tische weiter klirrt ein Glas und zerbricht die gediegene Ruhe im feinen „Dom Hotel“ zu Köln. Der 43-Jährige mit dem schmalen Gesicht und den schon ergrauten Haaren legt seine Hände vor sich auf den Tisch und hebt den Blick: „Als Manager einer Luxusmarke haben Sie kein Ego, Sie haben der Marke zu dienen.“

KÖLN. Philippe Schaus leitet das operative Geschäft einer der erfolgreichsten Luxusmarken der Welt: Louis Vuitton. Geschätzter Jahresumsatz: vier Milliarden Euro. Geschätzte Gewinnmarge: 40 Prozent. Der Luxemburger Schaus hat die Edelmarke in Europa wieder nach vorne gebracht – und wurde dafür vom Eigentümerkonzern LVMH zum Direktor für Internationales befördert.

Ihm ist es zu verdanken, dass sich selbst die nüchternen Deutschen der Faszination der beiden Buchstaben L und V nicht (mehr) verschließen können. „Louis Vuitton bekommt in Deutschland unter allen Luxusmarken den meisten Applaus der Kunden“, sagt Clemens Pflanz. Der Senior-Partner von Roland Berger hat den deutschen Markt für Luxusmarken im vergangenen Jahr systematisch untersucht – unter anderem mit 350 Testkäufen.

Der Mann im Dienste der Marke ist Schaus. Als er im September 2003 als Europachef von Louis Vuitton startet, hinkt das Geschäft den Wachstumsraten in Asien und Nordamerika weit hinterher. Schaus, der zuvor beim saarländischen Keramikkonzern Villeroy & Boch arbeitete, investiert nicht nur in neue Läden – ein Allheilrezept in der Branche. Er investiert auch ins Personal und dessen Ausbildung.

„Der schnelle Verkaufserfolg zahlt sich langfristig nicht aus“, sagt Philippe Schaus. „Unsere Mitarbeiter sollen die Geschichte von Louis Vuitton erzählen und Kunden fürs Leben gewinnen. ,Share the passion’ ist das Gebot.“ Um keine falschen Anreize zu setzen, streicht er sogar die Kommission der Verkäufer.

Seine Strategie zahlte sich aus für die Luxusmarke, die der Koffermacher Louis Vuitton 1854 in Paris gründete. Heute unterhält „LV“ weltweit 369 Filialen, sieben davon in Deutschland. Die Marke ist das Filetstück von LVMH. Das Traditionshaus beherrscht die Klaviatur des Luxusgeschäfts: lokale Handarbeit, globale Präsenz, totale Tradition.

Schaus hat nicht nur das Verkaufen verbessert, sondern auch die Organisation des Verkaufens – die Logistik. Louis Vuitton ist heute voll integriert und beherrscht wie der Modekonzern Hennes & Mauritz die Wertschöpfungskette komplett von der Produktion bis zur Ladentheke. Das sorgt nicht nur für hohe Margen, sondern auch für schnelle Abläufe. „Ist eine Tasche abends um 17 Uhr in London ausverkauft, dann ist bis zum nächsten Morgen eine neue aus Paris da“, sagt Schaus, der selbst „extrem viel vor Ort“ in seinen Läden ist.

Aus dem Europageschäft wurde wieder ein Wachstumstreiber der Marke, und aus Schaus im vergangenen Jahr der Markenchef International. Für den viersprachigen „Europäer“ – wie er sich selbst bezeichnet – eine „Ähre“. Sein französischer Akzent im Deutschen hat auch die Zeit im Saarland überdauert.

An seinen ersten Kauf bei Louis Vuitton erinnert er sich noch gut: „Es war vor 20 Jahren: ein Portemonnaie in Brüssel.“ Heute trägt er „seine Leidenschaft“ von Kopf bis Fuß: Anzug, Krawatte, Schuhe, Uhr. „Bis auf die Unterwäsche“, sagt er und lacht, „die gibt es noch nicht von uns.“

Trotz aller Markenmacht: Ein Satz im Stile des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. – „Die Marke, das bin ich!“ – würde ihm nie über die Lippen kommen. Er hat gelernt, sich zurückzunehmen. Zehn Jahre bestimmte er die Geschicke mit beim zwar börsennotierten, aber nach wie vor stark von den Inhaberfamilien geprägten Keramikkonzern Villeroy & Boch. Erst war Schaus Vertriebsleiter, später leitete er das zentrale Ressort Tischkultur. Maßgeblich war er daran beteiligt, die Markenstrategie der Saarländer auf den Familiennamen zu konzentrieren.

Seite 1:

Im Dienste der Leidenschaft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%