Wiedeking-Verfahren
Piëch muss im Porsche-Prozess nicht aussagen

Im Prozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wird es keinen Auftritt des gestürzten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch geben. Ob sein Cousin Wolfgang Porsche aussagen muss, ist noch offen.

StuttgartIm Strafprozess wegen Marktmanipulation gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche als einziger Vertreter des Kontrollgremiums als Zeuge geladen. Alle anderen geladenen Aufsichtsratsmitglieder der Porsche SE sind ausgeladen worden. Das teilte das Landgericht Stuttgart mit. Richter Frank Maurer hatte bereits bei der letzten Sitzung angekündigt, dass er niemanden zum Gerichtstermin vorladen wird, „der kommt und dann sagt, dass er nicht aussagt.“

Wolfgang Porsches Aussage ist laut Gericht für den 14. Januar geplant. Ob er als einziger Aufsichtsrat tatsächlich aussagen wird, ist offen. Die Porsche SE geht davon aus, dass entsprechende Gründe auch für eine Abladung von Wolfgang Porsche bestehen, teilte ein Sprecher nach Rücksprache mit den Rechtsbeiständen von Wolfgang Porsche mit.

Die anderen Aufseher, darunter VW-Firmenpatriarch Ferdinand Piëch neben weiteren Mitgliedern der Familien Porsche und Piëch, hätten die Aussage verweigern können, denn gegen sie war ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zu Marktmanipulation in der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen eingestellt worden. Die Zeugen könnten sich durch ihre Aussagen vor Gericht selbst belasten und das Verfahren könnte dadurch wieder eröffnet werden, argumentierten Anwälte.

Vor allem eine Aussage von Ferdinand Piëch wäre interessant gewesen, da er als damaliger VW-Aufsichtsratschef sowie gleichzeitig Miteigentümer und Aufsichtsrat der Porsche SE eine Schlüsselrolle in der Übernahmeschlacht gespielt hatte.

Wiedeking und der frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter sind vor dem Landgericht wegen Marktmanipulation angeklagt. Sie sollen von März bis Ende Oktober 2008 die Absicht einer vollständigen Übernahme von Volkswagen durch die von den Familien Porsche und Piëch beherrschte Holding Porsche SE gezielt verschleiert haben. Institutionelle und private Anleger verloren durch die Kurskapriolen der VW-Aktie im Übernahmepoker Milliarden. Viele verklagten die Porsche SE deshalb auf Schadensersatz von insgesamt gut fünf Milliarden Euro.

Vom Strafprozess versprechen sich vor allem Hedgefonds Munition für ihre Schadenersatzklagen. Aber bislang zeigten sich die Verteidiger von Wiedeking und Härter sehr zufrieden mit dem Prozessverlauf. Auch die Nichtladung der Aufsichtsräte kommt der Verteidigung entgegen. Außer dass Wiedeking sicher seinen Kontrahenten Piëch gerne vor Gericht als Zeuge gesehen hätte.

Die Verhandlung geht kommenden Donnerstag mit der Vernehmung weiterer Porsche-Führungskräfte weiter. Zudem hat das Gericht noch Mitarbeiter der Maple-Bank, über die Porsche seine Optionsgeschäfte abwickelte, als zusätzliche Zeugen an anderen Verhandlungstagen geladen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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