Wieder gerät die PR-Branche in die Schlagzeilen
Ein Auftrag wird zur Affäre

PR-Berater Bernd Schiphorst will Florian Gerster, Chef der Bundesanstalt für Arbeit, zu besseren Schlagzeilen verhelfen.

Als die deutsche Crème de la Crème mit Liz Mohn, der Grande Dame von Bertelsmann, die Berliner Repräsentanz Unter den Linden 1 kürzlich eröffnete, war PR-Berater Bernd Schiphorst unter den 500 auserwählten Gästen. Während der virtuose Ungar Edvin Martons mit seiner Stradivari für die richtigen Töne sorgte, nutzte Schiphorst die exzellente Möglichkeit, mit der Belle Etage der Republik das Gespräch zu suchen. Man kennt sich, man braucht sich.

Seit ersten Februar ist Schiphorst Vorstand einer der einflussreichsten PR-Beratungsfirmen des Landes, der WMP Eurocom AG. Er und seine Kollegen vermitteln leise und unauffällig zwischen Ministern, Vorständen, Investoren und Medien. „Schiphorst ist ein begnadeter Strippenzieher“, sagt ein Berliner Kollege über den Ex-Bertelsmann-Manager, der nun selbst – ganz unfreiwillig – in die Schlagzeilen gekommen ist. Für rund 1,3 Millionen Euro aus der Arbeitslosenversicherung soll er und sein Berliner PR- und Lobbying-Unternehmen der trägen Nürnberger Behörde und deren viel kritisierten Chef Florian Gerster ein neues Image verpassen. Bereits seit April hat Schiphorst, den Gerster zum persönlichen Beauftragten des Vorstandes für Kommunikation ernannte, den Beratervertrag mit der Nürnberger Bundesanstalt in der Tasche. „Wir haben die Tatsache, dass wir zusammenarbeiten, sofort in einer Presseerklärung veröffentlicht“, sagte Schiphorst. Doch erst als „Bild am Sonntag“ das PR-Honorar aus der Arbeitslosenversicherung an den Pranger stellte, wurde aus dem Auftrag eine Affäre. „Bei denen geht es doch nur darum, den Chef fett in den Medien zu platzieren. Das ist doch keine ernsthafte Kommunikationsberatung“, rügte ein Konkurrent.

Wie der bis Ende 2004 befristete Auftrag der Arbeitslosen-Behörde genau aussieht, ist geheim. Nur so viel wird bestätigt: In diesem Jahr fließen 500 000 Euro, im nächsten Jahr 820 000 Euro. „Das Honorar erscheint mir sehr angemessen“, sagt Elisabeth Kohl von der PR-Agentur Kohl & Partner, die demnächst den PR-Verband GPRA leiten wird. Für die WMP, die Anfang 2000 aus der Fusion zweier Beratungsfirmen der ehemaligen „Bild“-Chefredakteure Hans-Hermann Tiedje und Hans- Erich Bilges entstand, ist das ein „normaler“ Auftrag. „Die betreiben PR, die auf einem Old-Boy-Network beruht“, sagt ein Insider. Die Beziehungen zu Politik und Wirtschaft sind bestens. Den WMP-Aufsichtsrat leitet Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), Finanzvorstand ist der frühere Wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP). Zu den Kunden zählen Unternehmen wie BP, Eon, Vattenfall oder BMW.

Statt andere ins Scheinwerferlicht zu rücken, steht mal wieder die PR selbst im Mittelpunkt. Spätestens seit der Affäre um den umstrittenen PR-Unternehmer Moritz Hunzinger, die zum Rücktritt des damaligen Bundesverteidigungsministers Rudolf Scharping (SPD) führte, kämpft die Branche gegen einen rapiden Ansehensverlust.

Der erneute Wirbel um die Höhe von Honoraren für Medienberatungsleistungen schadet nach Meinung vieler Agenturen nicht nur der WMP. „Das ist ein Schaden für die gesamte Branche. Die Ganze hat ein Geschmäckle“, sagt ein langjähriger Spezialist für Krisen-PR. Erst im Sommer musste Schiphorst eine herbe Niederlage wegstecken. Er wird seinen Job als Medienbeauftragter für Berlin und Brandenburg bis zum Jahresende aufgeben müssen. Der Interessenkonflikt zwischen seinem halbstaatlichen Posten und der Verbindung zu seiner PR-Agentur wurde ihm zum Verhängnis.

Seinem neuen Auftraggeber, dem Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, könnte es jetzt an den Kragen gehen. Der sieht sich nach dem 1,8 Millionen Euro teuren Umbau seiner Vorstandsetage erneut dem Vorwurf der Verschwendung von Beitragsgeldern ausgesetzt. Sein Verwaltungsrat hat bereits die für die Schiphorst-Kampagne im Etat 2004 eingeplanten 25 Millionen Euro auf Eis gelegt, um die Beraterverträge der BA genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Union will Gerster zum Rapport vor dem Wirtschaftsausschuss noch in dieser Woche bitten. CSU-Generalsekretär Markus Söder verlangte gar die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Während die Bundesregierung dem BA-Chef zunächst Rückendeckung gab, meldete Grünen-Chef Reinhard Bütikofer offen Zweifel am Sinn solcher Beraterverträge an.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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