Wieder lösbare Verbindungen
Bauteile sollen sich auf Knopfdruck trennen

In vielen Küchen sind Klebstoffe längst im Einsatz, die sich bei Bedarf wieder lösen lassen: Zum Beispiel an so genannten "Powerstrip-Haken" von Tesa, die über zwei Kilogramm Gewicht halten und sich dennoch einfach von der Wand ziehen lassen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden - ohne den Untergrund zu beschädigen oder Rückstände zu hinterlassen. In der Industrie steckt der Einsatz wieder lösbarer Klebstoffe - so genannter "Debonding-on-demand-Technik" - noch in den Kinderschuhen. Dabei ist das Potential enorm.

HAMBURG. "Wieder lösbare Klebverbindungen könnten in der Auto-, Flugzeug- und Bahn-Industrie in Zukunft viele Verbindungen ersetzten, die heute noch geschraubt, genietet oder geschweißt werden", sagt Eike Langkabel, Chemikerin am Fraunhofer für Zuverlässigkeit-Institut und Mikrointegration.

An dem gezielten Lösen von Klebverbindungen arbeiten Forscher in verschiedenen Projekten, eine markttaugliche Entwicklung gibt es bislang aber noch nicht. Probleme bereitet besonders das Trennen struktureller Klebverbindungen, die zum Beispiel Kräfte aufnehmen und übertragen.

Auch die Elektronikindustrie hofft auf Debonding-Lösungen. Sie soll es ermöglichen, falsch geklebte hochwertige Bauelemente von Leiterplatten wieder zu entfernen, um sie dann zu ersetzen. Auch für die Vereinfachung des Recyclings von Elektroschrott oder Autobauteilen sind wieder lösbare Klebstoffe interessant.

Wieder lösbare Klebstoffe gewinnt man, indem man sie mit metallischen Nanopartikeln versetzt. Das sind kleinste Atome oder Moleküle. Sie können zum Beispiel durch Mikrowellen angeregt werden, den Klebstoff zu lösen.

Selbstauflösende Haftklebstoffe hält Ansgar van Halteren vom Industrieverband Klebstoffe für "eine der Zukunftsindustrien". Auch Paul Ludwig Geiß, Juniorprofessor an der Technischen Universität Kaiserslautern, schätzt das Potenzial der lösbaren Klebetechnik hoch ein, besonders wenn sie hilft Prozesszeiten zu verkürzen. "Ziel der Forschung ist es, möglichst keine Kompromisse bei Haltbarkeit und Wiederlösbarkeit machen zu müssen", sagt Geiß.

Auch Industrieunternehmen haben sich dem Thema längst verschrieben. So entwickeln der Fahrzeughersteller MAN und der Klebstoffproduzent Henkel ein Verfahren, mit dem man die Frontscheibe von Bussen und Lastwagen austauschen kann. Die Unternehmen wollen mit magnetischer Induktion den Entklebevorgang auslösen und optimieren. Dazu mischen sie metallische Nanopartikel in den Klebstoff, die bei einem Impuls Wärme erzeugen und den Klebstoff dazu bringen sich aufzulösen.

In einem weiteren Projekt arbeiten die Auto-Hersteller BMW, Volkswagen und Daimler-Chrysler zusammen. Das Ziel ist die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem man lackierte Bauteile kleben und wieder trennen kann. Dazu wollen die Forscher ebenfalls Klebstoffe einsetzen, denen Nanopartikel zugesetzt werden. Die wollen sie mit Mikrowellen bestrahlen und so Hitze erzeugen, die den Kleber löst. Das Verfahren soll die Aushärtezeit des Klebstoffs verkürzen und die Wiederlösbarkeit verbessern - und so in der Montage und der Demontage Zeit und Kosten sparen.

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