Wihlem Bonse-Geuking
Gezähmter Provokateur

Eigentlich hatte sich Wilhelm Bonse-Geuking schon in den Ruhestand verabschiedet. Der 65-jährige ehemalige erste Mann der deutschen Öl-Branche wurde nun aber für eine neue Aufgabe auserkoren. Den Job, den er ohne zu zögern übernahm, ist allerdings heikel: An der Spitze der Kohlestiftung soll er dafür sorgen, dass der Austieg aus dem Steinkohlebergbau reibungslos funktioniert.

DÜSSELDORF. Im vergangenen Dezember lädt Wilhelm Bonse-Geuking einige Journalisten ins noble Düsseldorfer Restaurant „Victorian’s“ ein. Am runden Tisch, bei Filet und edlem Wein, verrät der Energiemanager den Anlass für die Feier: „Ich ziehe mich heute endlich aus dem operativen Geschäft zurück. Künftig will ich mehr lesen und mich auf meinem Bauernhof im Münsterland fit halten.“

Doch alle, die ihn kennen, konnten und können sich Bonse, so wird er überall genannt, nicht wirklich als Ruheständler vorstellen. Den untersetzten, energiegeladenen Mann, der jahrelang an Toppositionen die deutsche Öl-Branche geprägt hat: als Chef von Veba Oel und Aral, als Vorstandschef von BP in Deutschland und noch heute als Berater der britischen BP-Mutter in London.

Und tatsächlich, seit Mittwochabend hat Bonse wieder einen Fulltimejob. Überraschend wird er Vorstandschef der neu geschaffenen Kohlestiftung, um deren personelle Besetzung es so heftigen Streit zwischen Politik, Gewerkschaften und dem Essener Kohlekonzern RAG gegeben hat. Immer wieder kamen neue Kandidaten ins Spiel. Doch Bonse hatte niemand auf seiner Rechnung. Der sagte kurzfristig zu, als er vor kurzem das Angebot erhielt. „Ich habe nie eine Lebensplanung gehabt. Es kommt doch immer anders“, begründete er gestern der Nachrichtenagentur dpa seine Entscheidung. Der 65-Jährige will den Posten für fünf Jahre übernehmen.

Sein neuer Job ist anspruchsvoll. Die Kohlestiftung soll den Industriekonzern RAG, bestehend aus den Sparten Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien, bis Mitte nächsten Jahres an die Börse bringen. Sie soll den Milliardenerlös aus dem Verkauf der Aktien sicher und rentabel anlegen, um im Jahr 2018 – dem voraussichtlichen Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland – über ein Vermögen von insgesamt rund acht Milliarden Euro verfügen zu können. So viel Geld ist nötig, um die Kosten zu decken, die auch nach der Schließung der letzten Zeche anfallen. Außerdem soll die Stiftung den schrittweisen Ausstieg aus der Steinkohle überwachen und dafür sorgen, dass keiner der heute noch 34 000 Kumpel ins Bergfreie fällt.

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