Wilfried Porth
In schwieriger Mission bei Daimler

Ein diplomatischer Verhandler, ein sachlicher Gesprächspartner - so beschreiben seine Mitarbeiter den neuen Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. Sein Verhandlungsgeschick wird der Manager in der Krise brauchen: Er soll die Kosten des Konzerns kräftig drücken

BERLIN. Gleich zu Beginn der Daimler-Hauptversammlung erscheint Wilfried Porth kurz auf der Großleinwand des ICC in Berlin. Der schlanke, sportliche Manager mit den asketischen Gesichtszügen bekommt seinen ersten Applaus von den Anteilseignern, als Aufsichtsratschef Manfred Bischoff ihn als „den besten Bewerber“ für den Posten des Personalchefs vorstellt.

Doch so vorbehaltlos scheint das Vertrauen nicht gewesen zu sein. Immerhin schalteten Bischoff und Vorstandschef Dieter Zetsche auch externe Personalberater bei der Suche nach einem Nachfolger von Günther Fleig ein, der mit 60 Jahren früher als sonst üblich in den Ruhestand wechselte. Aber Porth setzte sich gegen alle Kandidaten von außen durch.

Zetsche holt sich mit Porth mitten in der Autokrise einen erfahrenen Sanierer und Vertrauten in den auf fünf Mitglieder verkleinerten Vorstand. Darüber hinaus rückt er auf einen zusätzlichen Schlüsselposten: Als zweites Mitglied von Anteilseigner Daimler zieht der 50-Jährige neben Finanzchef Bodo Uebber auch in den Verwaltungsrat des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS ein. Porth hat Anfang April seinen bisherigen Posten als Chef der Transporter-Sparte an Wolfgang Bernhard abgetreten. Für den Daimler-Heimkehrer Bernhard eine Bewährungsprobe auf dem Weg zum angestrebten Vorstandsposten.

Porth ist ein Eigengewächs von Daimler. Er begann seine Karriere bei dem schwäbischen Autobauer vor mehr als 20 Jahren; er und Zetsche kennen sich gut. Der Start in der neuen Position als Personalvorstand und Arbeitsdirektor könnte für den Ingenieur aber kaum schwieriger sein: Schon in den nächsten Wochen soll er mit dem langjährigen und äußerst versierten Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm ein ganzes Bündel von Sparmaßnahmen aushandeln, die den Mitarbeitern herbe Lohneinbußen bringen werden. Porth muss allein in diesem Jahr zwei Milliarden Euro bei den Personalkosten in Deutschland sparen.

Der gebürtige Baden-Badener gilt als zupackender und konsequenter Arbeiter – aber nicht als „Hardliner“. Weggefährten beschreiben ihn vielmehr als diplomatischen Verhandler und äußerst sachlichen Gesprächspartner. Auch Erfahrungen im Personalwesen kann er vorweisen: Zwischen 2000 und 2002 verantwortete Porth bereits die Entwicklung der Führungskräfte im Konzern.

Sein Verhandlungsgeschick dürfte künftig nicht nur in den laufenden Gesprächen über das Sparpaket bei Daimler gefragt sein. Sein Vorgänger Günther Fleig hat auch den aktuellen Tarifvertrag für die Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie mit ausgehandelt. In der nächsten Tarifrunde dürfte diese Aufgabe auf Porth zukommen. Denn seit Jahren gehört ein Repräsentant von Daimler zum engeren Vorstand des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall und damit auch zum harten Kern der Verhandler, wenn im wichtigen Bezirk Baden-Württemberg um die neuen Tarifverträge für die Schlüsselindustrie gerungen wird. Diese wurden in den vergangenen Jahren häufig für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche in ganz Deutschland übernommen.

Als neuer Personalvorstand erhält er einen Dreijahresvertrag bis zum 30. April 2012. Seinen Schwager, Mercedes-Produktionschef Rainer Schmückle, hat Porth damit vorerst überholt. Schmückle erledigt seit Jahren für Zetsche die Kärrnerarbeit bei Mercedes und muss sich mit einem Aufstieg in den Vorstand gedulden.

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