Wilhelm Schönfelder
Nach der Politik-Karriere lockt das große Geld

Wilhelm Schönfelder räumt in diesen Tagen sein Büro im siebten Stock der deutschen EU-Vertretung in Brüssel. Er tritt als dienstältester Diplomat in Brüssel ab und wird als Lobbyist heiß umworben – auch von Siemens.

BRÜSSEL. Die Fotos auf dem Schreibtisch, das Grünzeug in den Töpfen, das große Schiffsmodell auf der Vitrine – alle persönlichen Sachen des EU-Botschafters kommen in Umzugskartons. Am 23. Juli ist für Brüssels dienstältesten Diplomaten der letzte Arbeitstag. Doch aufs Altenteil wird sich der Doyen des diplomatischen Korps wohl nicht zurückziehen.

Der 66-Jährige darf sich nach acht Jahren als deutscher Chefdiplomat am Sitz der Europäischen Union auf eine lukrative Anschlusskarriere in der Wirtschaft freuen. Deutsche Dax-Konzerne umwerben den Spitzenbeamten. Internationale Anwaltskanzleien haben angefragt. Headhunter wittern eine satte Vermittlungsprovision. Mehr als eine Hand voll Angebote liegt auf seinem Schreibtisch.

Der deutsche EU-Statthalter muss nur wollen, dann könnte er seine Gummibäume und die Familienfotos schon am 1. August in einem anderen Brüsseler Büro aufstellen. „So viel Erfahrung ist Gold wert“, sagt eine auf EU-Positionen spezialisierte Personalvermittlerin.

Gold vielleicht nicht. Aber ein Jahresgehalt von mindestens 200 000 Euro gilt in Brüsseler Lobbykreisen als angemessene Entlohnung für einen Mann, der in seiner langen Diplomatenkarriere ein wertvolles Netz geknüpft hat und über beachtliches Verhandlungsgeschick verfügt. „Ich bin überrascht, wie gut in der Wirtschaft gezahlt wird“, sagt Schönfelder mit einem Hauch gespielter Naivität. „Da verdient mancher Filialleiter mehr als die Bundeskanzlerin.“

Wenn die üblicherweise gut informierten Kreise dieses Mal nicht völlig daneben liegen, dann spricht einiges dafür, dass Schönfelder unter anderem mit dem Münchener Siemens-Konzern verhandelt. Siemens ist wie die meisten großen deutschen Dax-Unternehmen mit einer eigenen Repräsentanz in Brüssel vertreten.

Bayerische Quellen wollen wissen, dass der Vertrag von Siemens fertig zur Unterschrift sei. „Schönfelder soll am 1. September anfangen“, sagt ein dem Konzern nahe stehender Münchener EU-Lobbyist. Ein Siemens-Sprecher wollte sich zwar zu Personalspekulationen nicht äußern, bestätigte aber, dass in Brüssel eine „planmäßige Nachfolgeregelung“ für den jetzigen Büroleiter anstehe.

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