Wilhelm Zeller
Der begehrte Pensionär

Wilhelm Zeller wird man auch künftig häufiger im Flugzeug als Zuhause treffen. Vor einem Monat ist der 65-Jährige als Vorstandsvorsitzender bei der Hannover Rück ausgeschieden. Nun reißen sich Versicherer, Banken und Fonds aus dem Ausland um den Ex-Chef des Rückversicherers.

HANNOVER. Ruhe kehrt bei Wilhelm Zeller seit seinem Ausscheiden nicht ein. Immerhin: Seiner Frau hat er versprochen, im Winter zwei bis drei Monate in Florida zu verbringen. Ob das klappt?

Es wird schwer, denn der weltgewandte Manager kann sich vor Angeboten kaum retten. Branchenkenner wundert das nicht. Erst im September war Zeller von einem angesehenen Fachblatt für sein Lebenswerk geehrt worden: Er habe in der Rückversicherungslandschaft bleibende Spuren hinterlassen, lobte Preisverleiher Greg Dobie damals in London. Das könnte so bleiben. Denn Versicherer, Investmentbanker, Berater und Wagniskapitalgeber buhlen regelrecht um ihn.

Das ging schon im vergangenen Herbst los, als auf dem traditionellen Treffen der Rückversicherer in Monte Carlo sein Ausstieg bei der Hannover Rück offiziell wurde. Da kam umgehend aus Amerika die Anfrage, ob er noch einmal Vorstandschef werden wolle. "Bei mir kam das Angebot zunächst so an, als ob ich nur eine Woche im Monat arbeiten müsste", erzählt er schmunzelnd. Und dann Chef sein, "das wäre doch toll", sagt er und lacht. Doch schnell stellte sich heraus, dass sich die Woche auf seine Präsenz in New York bezog. Den Rest des Monats sollte er durch die Welt reisen.

Nichts Ungewohntes für Zeller, war er doch in den vergangenen Jahren im Schnitt zwei Wochen im Monat für die Tochter des Versicherungskonzerns Talanx auf Achse. Das wurde vom Chef des - nach Münchener Rück, Swiss Re und General Re - viertgrößten Rückversicherers erwartet. Doch inzwischen findet er das zu viel. Als Kapitän möchte er daher nicht mehr anheuern.

Zeller hat auch so genug zu tun. Der Bermuda-Versicherer Axis hat ihn in seinen Aufsichtsrat berufen. Warum gerade Axis? "Weil es sich um eine der Top-3-Gesellschaften in Bermuda handelt und weil der dortige Chairman mich als Erster angesprochen hat", antwortet er. Axis zeichne sich durch eine "unglaubliche Erfolgsstory" aus. Der Versicherer war Ende 2001 als Reaktion auf den engen Rückversicherungsmarkt nach den New Yorker Terroranschlägen gegründet worden. Die Gesellschaft habe bereits 2007 netto mehr als eine Mrd. Dollar verdient, hebt Zeller hervor. Allerdings läuft es in der Krise nicht so blendend. Im ersten Halbjahr fiel der Gewinn von 469 auf 275 Mio. Dollar.

Für einen geplanten Lebens-Rückversicherer auf Bermuda steht Zeller ebenfalls bereit. Auf Wunsch des Kreditversicherers Coface wird er noch ein paar Jahre sein Mandat als Aufsichtsrat behalten. Schließlich zeigten amerikanische Versicherer Interesse an ihm.

Im Moment sortiert er gerade mehr als ein Dutzend Angebote für Beratungstätigkeiten. Seit Anfang Juli ist er Mitglied des amerikanischen Beratungsrings Gerson Lehrman Group. In dieser Gruppe sind weltweit Tausende hochrangige Experten tätig, die gut 800 Großkunden betreuen. Darüber hinaus haben ihn einige Investmentbanken aus den USA und Großbritannien angesprochen. Das größte Interesse zeigen jedoch englische und amerikanische Private-Equity-Firmen. Viele hätten in der Krise Geld verloren, verfügten aber noch über viele Milliarden für neue Projekte. Da ist sein Rat gefragt.

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