Wilken Freiherr von Hodenberg steuert die DBAG
Allein unter Angelsachsen

Finanzinvestoren haben ihren Sitz im Ausland, werden von angelsächsischen Managern geführt und meiden die Börse. Stimmt in der Regel. Aber bei der Deutschen Beteiligungs-AG (DBAG) ist alles anders.

FRANKFURT/M. Sie residiert im Frankfurter Westend, notiert an der Deutschen Börse und wird von deutschen Führungskräften gesteuert. Die Wurzeln der DBAG reichen bis in das Jahr 1965 zurück, damit ist das Unternehmen der Pionier im hiesigen Beteiligungsmarkt.

Wilken Freiherr von Hodenberg ist seit Juli 2000 Vorstandssprecher der DBAG. Er könnte gut einen Privatbankier verkörpern. Er setzt seine Worte mit Bedacht und ist niemand, der sich in die Öffentlichkeit drängt. Nur bei den Pflichtterminen des börsennotierten Unternehmens wie der Bilanz-Pressekonferenz tritt er regelmäßig in Erscheinung.

Nach dem Jurastudium in Hamburg und Lausanne heuerte er 1983 zunächst bei der US-Investmentbank JP Morgan an, danach verschlug es ihn als Finanzchef zur Handelsgruppe Tengelmann. Weitere Managementaufgaben löste er bei ING-Barings und Merrill Lynch.

Vor allem seine Zeit bei den Investmentbankern haben von Hodenberg geprägt. Der Teamgeist fasziniert ihn bis heute. Und er misst den Unternehmenserfolg auch am Aktienkurs. Und da wurmt es ihn, dass die Börse sein Geschäftsmodell nicht immer entsprechend honoriert. Andererseits kann sich die DBAG damit schmücken, dass die Deutsche Bank und der Versicherer Gerling zu den Aktionären zählen.

Die DBAG ist auf Mittelständler spezialisiert. Zum Firmenportfolio zählt etwa die Otto Sauer Achsenfabrik und die Preh GmbH, die Klimaanlagen und Navigationssysteme liefert. Vor kurzem kam die Clyde-Bergemann-Gruppe hinzu, die unter anderem Rußbläser produziert, die in Kraftwerkskesseln Verbrennungsrückstände entfernen.

Die Heuschrecken-Debatte, die nach der Wahl in NRW in sich zusammengesackt ist, habe das Geschäft nicht beeinträchtigt, sagt er. „Wir hatten nie Probleme mit den Eigentümern und den Betriebsräten, wir haben in der Summe Arbeitsplätze geschaffen.“ Bei den Mittelständlern bekomme das 20-köpfige Investmentteam einen Fuß in die Tür, weil man Manager aus allen Regionen an Bord habe. Das Rotarier-Mitglied sammelt derzeit gut 300 Millionen Euro für einen neuen Beteiligungsfonds ein.

Von Hodenberg, in dessen Adern trotz des Titels kein blaues Blut fließt, bezeichnet sich als „verhinderten Historiker“. Sein Vorbild ist Winston Churchill, der dafür gekämpft habe, dass Europa nicht braun geworden sei. Wenn ihm seine Familie mit drei Kindern am Wochenende einmal frei gibt, fährt er mit dem Fahrrad durch den Taunus – um fit zu bleiben.

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