William Ackman, Pershing Square
Cleverer Verlustverwerter

Mit düsteren Prognosen hat William Ackman, Chef des Hedge-Fonds Pershing Square, schon etliche Kurse auf Talfahrt geschickt. Viele seiner Kritiker vermuten dahinter Kalkül. Nun hat der gewiefte Manager ein neues, günstiges Übernahmeziel gefunden: Er setzt auf die Sanierung des US-Kaufhausbetreibers General Growth.

FRANKFURT. Verlierer sind sein Geschäft, Verluste anderer bringen ihm Gewinn, und beirren lässt sich US-Hedge-Fonds-Manager William Ackman dabei von niemandem. Zwar hat er sich gerade erst mit Investitionen in die zweitgrößte Discounter-Kette Target verspekuliert und rund 90 Prozent Verlust eingefahren, dennoch scheint er an die Zukunft der Branche zu glauben. Mit einem Anteil von gut 25 Prozent am Aktienkapital ist er jetzt nicht nur Großaktionär beim Kaufhausbetreiber General Growth Properties (GGP), er hat der Gesellschaft auch einen 375 Mio. Dollar schweren Insolvenzkredit angeboten, den das Unternehmen nach erfolgreicher Sanierung in Aktienkapital umwandeln darf.

Damit setzt der Gründer des Hedge-Fonds Pershing Square viel Geld und Vertrauen in jenes Unternehmen, das gerade erst die größte je da gewesene Insolvenz der USA verursacht hat und jetzt unter Gläubigerschutz (Chapter 11) steht.

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Sohn eines New Yorker Immobilienmaklers nicht, auch nicht an Geduld. Schließlich beschrieb er sich einst selbst als „hartnäckigster Investor, den Sie kennen“. Wie lang sein Atem ist, bewies der Mann mit dem silbergrauen Haarschopf in seiner legendären, sechsjährigen Wette gegen die amerikanischen Anleiheversicherer. Schon 2002 bezeichnete er die Kapitaldecke dieser Spezialversicherer als zu dünn, wurde erst ausgelacht und geriet 2003 ins Visier des Staatsanwalts. Der Vorwurf: Ackman wettere gegen Unternehmen, gegen die er wette und drücke damit die Kurse.

Doch am Ende hat der eloquente Schnellsprecher seinen öffentlichen Feldzug gewonnen: Die Ermittlungen verlaufen schon bald im Sand, seine Prognosen bewahrheiten sich 2008. Anleiheversicherer wie Ambac oder MBIA geraten wegen der Krise ins Wanken, Ackmans Kassandra-Rufe finden zunehmend Gehör. Und er macht weiter: Ob Notenbank, Börsenaufsicht, Finanzministerium, Ratingagenturen oder Journalisten, mit allen teilt er seine düsteren Ansichten. Die Kurse der betroffenen Unternehmen rauschen nach unten. Letztlich entrinnen sie der Pleite nur, weil die Versicherungsaufsicht diverse Stützungsmaßnahmen innerhalb der Finanzbranche ankurbelt. Erst als dem Chef der New Yorker Versicherungsaufsicht im Februar 2008 der Kragen platzt und er Ackman im Fernsehen indirekt mit juristischen Konsequenzen droht, schweigt der Streitbare. Gewonnen hat er trotzdem: Als er seine Wette gegen den Branchenführer MBIA im dritten Quartal 2008 auflöst, hat er mehr als eine Mrd. Dollar verdient. Wetten auf Kursverluste von zwei weiteren Bondversicherern spülen ihm noch mehr Geld in die Kasse und begrenzen die Verluste seiner 4,5 Mrd. Dollar schweren Hedge-Fonds-Gruppe. Sie schneidet mit einem Minus von 13 Prozent weit besser ab als der Branchenschnitt.

Ein Versehen ist sein Engagement bei GGP deshalb wohl nicht: Sein 48,6 Mio Dollar schweres Aktienpaket klaubt er sich schon Mitte November zusammen, als GGP schon mit Banken und Anleihegläubigern um die Verlängerung auslaufender Kredite feilscht. Längst glaubt er da, dass die Insolvenz die beste Lösung für GGP ist – und für ihn. Geht die Wette auf, sind die Immobilien nach der Sanierung mehr wert als die Schulden, die GGP den Banken zurückzahlen muss. Geht es schief, riskiert er seinen Ruf und seine Firma. Es wäre nicht das erste Mal: Den Hedge-Fonds Gotham Partners hatte er nach Verlusten 2002 auflösen müssen.

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