William Dudley: Ein unbequemer Pragmatiker

William Dudley
Ein unbequemer Pragmatiker

Die angeschlagene Wall Street bekommt einen neuen Aufseher, der das Krisenmanagement der US-Notenbank im vergangenen Jahr maßgeblich mitbestimmt hat. William C. Dudley ist am Dienstag zum Präsidenten der New Yorker Federal Reserve Bank (Fed) ernannt worden.

Ein unbequemer Pragmatiker führt die New Yorker Federal Reserve ROLF BENDERS | NEW YORK Die angeschlagene Wall Street bekommt einen neuen Aufseher, der das Krisenmanagement der US-Notenbank im vergangenen Jahr maßgeblich mitbestimmt hat. William C. Dudley ist gestern zum Präsidenten der New Yorker Federal Reserve Bank (Fed) ernannt worden. Der 56-jährige ehemalige US-Chefvolkswirt von Goldman Sachs war in den vergangenen zwei Jahren die rechte Hand seines Vorgängers Timothy Geithner. Dieser rückt an die Spitze des US-Finanzministeriums. Die New Yorker Fed ist die wichtigste von zwölf regionalen US-Notenbanken. Sie beaufsichtigt die Wall-Street-Institute, wickelt für die Washingtoner Zentrale alle Geldmarktgeschäfte ab und ist für die Wechselkurspolitik zuständig. Ihr Leiter ist als einziger regionaler Fed-Chef ständiges, stimmberechtigtes Mitglied in dem Ausschuss, der die Geldpolitik bestimmt. "Der New Yorker Fed-Präsident steht an vorderster Front", so Ethan Harris, Volkswirt bei Barclays zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Dudley hat sich während der Krisensitzungen, in denen es um die Zukunft der New Yorker Geldhäuser wie Bear Stearns, Lehman und Merrill Lynch ging, den Ruf eines unprätentiösen Pragmatikers erworben. Es heißt, der promovierte Absolvent der Eliteuniversität Berkeley in Kalifornien habe während der endlosen Beratungen auch schon einmal auf dem Fußboden neben seinem Schreibtisch geschlafen, statt ins Hotel zu gehen. Der mit seiner Frau in Cranford, New Jersey, lebende Dudley war zuletzt für die Marktbeobachtung zuständig und in dieser Funktion auch Berater des obersten Notenbankchefs Ben Bernanke. Dudley gilt als Architekt der milliardenschweren Hilfsprogramme, mit denen die Fed seit 2007 Wertpapiere am Markt kauft oder Sicherheiten stellt, um den eingefrorenen Kreditmarkt wieder aufzutauen. Dadurch wuchs die Bilanzsumme der Fed um mehr als Doppelte auf über zwei Billionen Dollar. Bevor er 2007 zur New Yorker Fed kam, arbeitete Dudley mehr als zwei Jahrzehnte als Volkswirt bei der Investmentbank Goldman Sachs. In dieser Zeit hat er bewiesen, dass er auch bereit ist, sich gegen den herrschenden Konsens der Branche zu stellen. So kritisierte er den damaligen Fed-Chef Alan Greenspan dafür, dass er in den späten 90er-Jahren nichts gegen die Internetblase an den Kapitalmärkten unternommen habe. Mittlerweile stimmen ihm immer mehr Experten zu, dass Notenbanken Wege finden müssen, Kapitalmarktblasen zu erkennen und gegen sie vorzugehen, bevor sie platzen.

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