Willibald Cernko
Der Banker mit den zwei Seiten

Der als harter Sanierer bekannte Willibald Cernko wechselt von der Hypo-Vereinsbank in München zurück in die Heimat Wien und wird dort der neue Chef von Bank Austria. Privat dreht sich bei dem Banker alles um Musik.

WIEN. Endlich wieder Wien. Willibald Cernko ist zurück, die Zeit bei der Hypo-Vereinsbank in München ist zu Ende. Er ist zurück in der Heimat, und dann auch noch als Chef. Der Österreicher macht einen ordentlichen Karrieresprung innerhalb der Unicredit-Gruppe: Bei der deutschen Tochter in München musste er sich noch mit einem einfachen Vorstandsposten begnügen, bei der österreichischen Tochter Bank Austria übernimmt er übermorgen den Vorstandsvorsitz.

Extrem ehrgeizig ist der 53-Jährige, ganz ohne Zweifel. Von sich selbst erzählt er, dass er während seiner Berufsjahre als Banker kaum entscheidende Fehler gemacht habe. "Sonst hätte ich es nicht so weit gebracht", sagt er. Der Steirer schätzt eine gewisse Härte im Berufsleben. Sein Vater starb früh, als er noch ein Kind war. Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, kein Studium, aber trotzdem hat er es geschafft. Vielleicht waren es die fünf Jahre beim Militär, die ihm den Aufstieg beschert haben.

Unicredit hält viel vom neuen Chef für Österreich. Cernko ist ein unumstrittener Sanierer. Effizienz steigern, Geschäfte vereinfachen, mehr Qualität und Schnelligkeit - das sind Vokabeln, die ihm zügig über die Lippen kommen. Und er hat Erfolg damit: Ihm ist es gelungen, das über Jahre defizitäre Privatkundengeschäft der Hypo-Vereinsbank zurück in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Bei der Bank Austria liegen die Aufgaben klar auf dem Tisch. In Österreich ist die Unicredit-Tochter zwar die größte Bank, doch mit den Erträgen sieht es schon länger nicht mehr besonders rosig aus. "Österreich ist overbanked", lautet seine Analyse. Wer Cernko kennt, der ahnt schon, dass es um schlankere Strukturen gehen wird.

Die Bank Austria ist innerhalb der Unicredit-Gruppe auch für das Osteuropa-Geschäft verantwortlich. Cernko tritt zu einem Zeitpunkt an, zu dem das große Wachstum in Osteuropa erst einmal auf Eis liegt. Die Wirtschaftskrise hat überall die Schwachstellen aufgedeckt, auch bei der Bank Austria und ihrem Ostgeschäft. Dort wird es also ebenfalls zunächst um das Thema Sanierung gehen.

Trotz seiner Erfolge wird sich Cernko auf Vorbehalte einstellen müssen. "Vollstrecker", so bezeichnet ihn der Vorstandschef eines großen Wiener Konzerns. Dahinter steckt die Einschätzung, dass Cernko gegenüber den Mailänder Chefs ein hohes Maß an Loyalität beweisen wird - und die Vorgaben aus der Zentrale konsequent umsetzt. In Wien geht deshalb die Sorge um, dass die Bank Austria unter Cernko die letzten Reste ihrer Eigenständigkeit verlieren könnte. Cernko dürfte das im Zweifel egal sein - wenn er nach erfolgreicher Arbeit in Wien selbst einen Vorstandsposten in Mailand ergattert. Bank Austria und Unicredit werden jetzt wahrscheinlich auf Staatshilfe verzichten. Auch das mindert die Einflussmöglichkeiten von österreichischer Seite.

Trotz aller Vorgaben im Geschäft: Cernko hat unter seiner harten Schale einen weichen Kern. Privat dreht sich bei ihm fast alles um Musik. Der Österreicher ist verheiratet mit der aus Serbien stammenden Konzertpianistin Jasminka Stancul. Und privat zeigt sich der Banker deutlich konzilianter. Cernko ist auch Miteigentümer eines Platten-Labels - und da müssen die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen nicht ganz so glänzen wie in der Bank. Cernkos ältester Sohn ist zugleich ein gefeierter Meisterkoch. Bei so vielen Wohlgenüssen aus der eigenen Familie sollte es dem neuen Bank-Austria-Chef eigentlich ziemlich gut gehen.

Kurzvita

1956: Willibald Cernko wird am 7. Juli in Knittelfeld in der Steiermark geboren.

1983: Nach Schule und Militär beginnt er die Bankerkarriere bei der kleinen Raiffeisenbank Obdach westlich von Graz.

1985: Cernko erkennt seine Liebe für das Bankgeschäft und wechselt schon nach zwei Jahren aus der Provinz nach Wien. In Österreichs Hauptstadt heuert er bei der Creditanstalt an, einer der Vorgängerbanken der heutigen Bank Austria.

2000: Cernko hat sich nach 15 Jahren im Firmenkundengeschäft auf den Posten des Bereichsvorstands für diese Sparte bei der Bank Austria emporgearbeitet. Später kommt das Privatkundengeschäft dazu.

2006: Cernko zieht auch in den Vorstand der Hypo-Vereinsbank ein.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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