Win Bischoff
Ein Veteran will's nochmal wissen

Win Bischoff springt noch einmal in die Bresche. Der altgediente Londoner Banker soll den Posten des Chairmans bei der krisengeschüttelten Großbank Lloyds übernehmen, nachdem sein Vorgänger Victor Blank vorzeitig zurücktrat. Der deutschstämmige Banker soll das britische Geldhaus nach schweren Verlusten wieder auf Kurs bringen.

LONDON. Ein Sitz im Management von Lloyds ist derzeit mit Sicherheit nicht vergnügungsteuerpflichtig. Viele in der City fragen sich, warum der 67-jährige Bischoff, der für seine Verdienste um die britische Finanzindustrie sogar geadelt wurde, sich diese Last auflädt - zumal einige Großaktionäre seine Ernennung kritisch sehen.

LLoyds musste von der britischen Regierung mit Milliardensummen gestützt werden und gehört inzwischen zu rund 43 Prozent dem Staat. Schuld an der Notlage ist vor allem die Übernahme von HBOS, der größten britischen Hypothekenbank. HBOS war nach einem tollkühnen Wachstumskurs in den Sog der Finanzkrise geraten und stand kurz vor dem Kollaps. Die Labour-Regierung von Premier Gordon Brown wollte aber auf jeden Fall einen zweiten Pleitefall Northern Rock verhindern, zu groß wäre der Vertrauensschaden für das Finanzsystem gewesen.

Hinter den Kulissen lotete Brown aus, ob Lloyds-Vorstandschef Eric Daniels und sein Chairman Blank nicht an einer Übernahme von HBOS interessiert wären. Um den Hypothekenfinanzierer zu retten war der Premier bereit, in Sachen Kartellrecht alle Bedenken außer Acht zu lassen. LLoyds hatte die Chance, einen Bankriesen mit 38 Mio. Kunden und einem Marktanteil von 30 Prozent auf dem Hypothekenmarkt zu schmieden. In normalen Zeiten hätten die Wettbewerbshüter dem Geschäft einen Riegel vorgeschoben, weil der kritische Marktanteil auf 25 Prozent begrenzt ist.

Daniels und Blank schlug zu und sicherten sich HBOS für 12,2 Mrd. Pfund, zahlbar in eigenen Aktien. Damals, im September 2008, wirkte das noch wie ein Schnäppchenpreis. Doch als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte, stellte sich heraus, dass HBOS 2008 Verluste von knapp elf Mrd. Pfund angehäuft hatte. Daniels blieb nichts anderes übrig, als unter den Rettungsschirm der britische Regierung zu kriechen. Für dieses Jahr sagen die Analysten des japanischen Geldhauses Nomura für Lloyds noch einmal einen Nettoverlust von 7,4 Mrd. Pfund voraus.

Jetzt soll also Bischoff helfen, die Bank wieder auf Kurs zu bringen. 15 Kandidaten prüfte Lloyds insgesamt, und Bischoff musste 14 Interviews über sich ergehen lassen, bevor er endgültig zum Chairman berufen wurde. Dabei gehört der in Aachen geborene Banker zu den angesehensten Managern in der Londoner City. Bischoff brachte es bis zum Chef der traditionsreichen britischen Investmentbank Schroders, die Anfang des Jahrzehnts vom US-Finanzriesen Citigroup übernommen wurde. Bei der Integration war Bischoff so erfolgreich, dass er eine Reihe hochrangiger Posten bei der US-Bank übernahm. Zuletzt war er als Chairman eingesprungen, um die Sanierung des angeschlagenen Konzerns zu koordinieren.

Doch als die Citigroup weiter Verluste anhäufte, wurde Bischoff aus dem Amt gedrängt. Auch sein Engagement bei Lloyds sehen einige Großinvestoren kritisch. Sie hätten lieber einen jüngeren, energischeren Kandidaten auf dem Sessel des Chairman gesehen.

Seine Befürworter betonen dagegen, dass Bischoff sich bei seinem letzten Arbeitgeber Citigroup nicht nach der Rolle des Chairman gedrängt habe, sondern gedrängt werden musste. Die US-Bank habe einen erfahrenen und glaubwürdigen Manager gebraucht, um aus der Krise zu kommen. Und genau das brauche jetzt auch Lloyds.

Kurzvita

1941: Winfried Bischoff wird in Aachen geboren, seine Familie emigriert jedoch 1955 nach Südafrika.

1959: Er beginnt ein Studium der Volkswirtschaft in Johannesburg, das er 1961 abschließt.

1962: Bischoff startet seine berufliche Karriere bei der Chase Manhattan Bank in New York.

1966: Wechsel zur Bank Schroders, wo er im Laufe der Jahre bis zum Vorstandschef aufsteigt.

2000: Er wird zum Ritter Sir Win geschlagen.

2001: Bischoff wird Chairman der Citigroup Europe.

2007: Im Dezember löst er Charles Prince als Chairman der Citigroup ab.

2009: Bischoff gibt den Posten des Chairmans bei der Citigroup auf und will sich eigentlich aus dem Berufsleben zurückziehen.

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