Windkraftbranche
Der lange Atem des Nordex-Chefs

Nordex-Chef Thomas Richterich schwört seine Mannschaft auf neue Einsparungen ein: Der Hersteller von Windkraftanlagen leidet unter der weltweit flauen Nachfrage. Doch bessere Zeiten sind in Sicht. Richterich glaubt an die Märkte in den USA und China, die Deutschland als Windland Nummer eins ablösen werden.

HANNOVER. Thomas Richterich hat allen Grund, sauer zu sein. Nach dem Beinahe-Zusammenbruch der Nordex AG im Jahr 2003 schaffte er mit einer harten Sanierung die Trendwende. Der Windkraftanlagenbauer glänzte seitdem mit Wachstumsraten von 50 Prozent - und überflügelte damit die Konkurrenz. Nun macht ihm die Finanzkrise einen Strich durch die Rechnung, die Prognose für dieses Jahr muss er eindampfen. Schuld gibt er den Banken, die den Kunden von Nordex selbst sichere Windparks nicht mehr finanzieren wollten. Der Absatz von Windmühlen stottert. Das ärgere ihn schon, gibt Richterich zu. "Aber die Zeit der Enttäuschung war kurz."

Heute will er auf der Hannover Messe den Blick nach vorne richten. Es gibt zwar viele Fragezeichen, und auch Richterich bemüht das Bild des im Nebel stochernden Unternehmers. "Im Vergleich zu anderen Branchen sind wir aber in einer Luxusposition." Ein Umsatzplus von zehn bis 15 Prozent hält er für erreichbar. Was sich nach einem kräftigen Wachstum anhören mag, ist für die auf Expansion getrimmte Nordex-Mannschaft eine Vollbremsung.

Statt wie in den vergangenen Jahren Monat für Monat neue Mitarbeiter einzustellen und weltweit Büros zu eröffnen, muss Richterich die Belegschaft auf einen Sparkurs einschwören. Investitionen wie in das neue Werk in den USA oder eine Gondelfabrik in Deutschland werden zurückgestellt. "Die Projekte haben wir auf Wiedervorlage gelegt." Unverändert glaubt er an die Märkte in den USA und China, die Deutschland als Windland Nummer eins ablösen werden.

Der 48-Jährige ist Pragmatiker, übermäßige Risiken lehnt er ab. Den einzigen Ausbruch, den er sich gönnt, sind gelegentliche Ausfahrten mit dem Motorrad. "Bei gutem Wetter fahre ich samstags früh am Morgen los und bringe Brötchen für die Familie mit." Wegen der Unfallgefahr würde ihm der Aufsichtsrat hier gerne einen Riegel vorschieben.

Wenn Richterich nicht auf Reisen zu Kunden oder Außenposten des Nordex-Konzerns ist, sitzt er in seinem Büro im zweiten Stock eines schmucklosen Bürogebäudes wenige Meter vor den Toren von Hamburg. Hier laufen die Fäden der expandierenden Firma zusammen. In dem Büro lenkt ihn wenig von der Arbeit ab: Ein Schreibtisch, einige Schränke, eine Tafel, ein großer Konferenztisch. Die einzige Farbe im Raum ist das fliederfarbene Hemd des Vorstandschefs. Wie das Büro eingerichtet ist, so sparsam ist die Gestik des früh ergrauten Nordex-Chefs - selbst wenn es um die Zeit nach der Krise geht. "Da wollen wir wieder jährlich um 50 Prozent zulegen", sagt Richterich und fixiert sein Gegenüber. Ihm liegt viel daran, Gesprächspartner von der Wachstumsstory der Firma zu überzeugen. Nach der Fast-Pleite im Jahr 2003 dauerte es lange, bis der Ruf von Nordex am Kapitalmarkt rehabilitiert war.

Doch im Moment ist Krisenbewältigung angesagt: Richterichs Büro ist Schauplatz heftigen Preisgerangels. Seit Beginn der Finanzkrise kommen mehr und mehr Kunden zu ihm und verlangen einen Abschlag. Der Nordex-Chef kann sich dem nicht immer verschließen. Denn wenn Banken Kredite geben, dann nur zu hohen Zinsen. Manche Windparks rechnen sich dann nicht mehr. Lieber gibt Richterich einen Rabatt, als einen Auftrag ganz zu verlieren.

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