Winterkorn wird neuer Aufsichtsrats-Chef
Pischetsrieder ist bei Scania raus

Informationen aus Branchenkreisen haben sich bestätigt: Bernd Pischetsrieder wird auch seinen Posten an der Spitze des Scania-Aufsichtsrats verlieren. Ihn soll mit Martin Winterkorn ausgerechnet der Mann beerben, der schon an seiner statt VW-Chef wurde. Für Pischetsrieder bedeutet das augenscheinlich das endgültige Karriereende bei VW.

HB STOCKHOLM. Wie Scania am Dienstag in Stockholm mitteilte, ist Winterkorn als Vorsitzender für die am 3. Mai anstehende Hauptversammlung nominiert. VW ist größter Anteilseigner sowohl bei Scania als auch bei dessen deutschem Konkurrenten MAN und will beide Unternehmen in eine Allianz unter Einschluss der eigenen brasilianischen Lkw-Fertigung zusammenbringen.

Bei der Ablösung von Bernd Pischetsrieder als VW-Chef war spekuliert worden, er solle den neuen LKW-Konzern aufbauen. Doch durch die jetzige Personalentscheidung im Scania-Aufsichtsrat wird deutlich, dass ihm die Zügel aus der Hand gleiten. Der Topmanager mit dem König-Ludwig-Bart zählt augenscheinlich nur noch zu den Randfiguren des Machtpokers. Dabei ist der frühere Vorstandsvorsitzende seit Januar offiziell der Sonderbeauftragte von VW für die LKW-Allianz.

Nach Ansicht von Branchenkennern wird nun aber immer deutlicher: Der Autokonzern wollte mit dieser Berufung womöglich nur eine öffentliche Diskussion um eine Millionenabfindung umgehen und nahm statt dessen lieber in Kauf, dass Pischetsrieder als Edelreservist des Konzerns mit seinem noch fünf Jahre laufenden Vertrag weiter ein Millionengehalt bekommt. Pischetsrieder war im September 2006 auf Druck von Piëch von der VW-Spitze verdrängt und durch Winterkorn ersetzt worden.

Zusammen mit Winterkorn hat VW auch seine Vorstandsmitglieder Hans Dieter Pötsch und Francisco Javier Garcia Sanz neu für den Scania-Aufsichtsrat nominiert. Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums wird Börje Ekholm, Chef des größten schwedischen Anteilseigners Investor vorgeschlagen.

Volkswagen hatte zuvor auch eine Verstärkung seiner Präsenz im MAN-Aufsichtsrat angekündigt. Hier soll der eigene Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Vorsitz übernehmen. Scania und Investor als dessen zweitgrößter Eigner hatten ein von MAN-Chef Håkan Samuelsson betriebenes Übernahmeangebot als feindlich zurückgewiesen und nach monatelangem Tauziehen zu Fall gebracht. In der Branche gilt es als wahrscheinlich, dass der Wolfsburger Konzern die Ablösung des schwedischen Spitzenmannes in der Münchner MAN-Zentrale betreibt, weil seine Konflikte mit Scania als Hindernis für das von VW angestrebte freundliche Zusammengehen der Lastwagen-Sparten gesehen werden.

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