„Wir wahren Kontinuität“
Vom Politberater zum Strategen

Die Nummer zwei, Jean-Bernard Lévy, steigt zum Chef des französischen Medienkonzerns Vivendi Universal auf.

PARIS. Die Pressemitteilung von Vivendi Universal war – wie für den französischen Medien- und Telekomkonzern üblich – sehr wortkarg. Auf 14 knappen Zeilen teilte das Unternehmen lapidar mit, dass Sanierer Jean-René Fourtou den Chefposten im nächsten Jahr abgibt und sich in den neu geschaffenen Aufsichtsrat zurückzieht. Das operative Geschäft übernimmt ab kommenden April seine Nummer zwei, Jean-Bernard Lévy. „Wir wahren Kontinuität“, kommentierte Fourtou seine Nachfolgerentscheidung und ergänzte: „Wir haben beide dafür gearbeitet, dass Vivendi aus der Sackgasse herauskommt.“

Das ist wohl wahr. Aber dem neuen Vivendi-Chef stellen sich andere Herausforderungen als seinem Vorgänger Fourtou. Jener war vom früheren Chef des Versicherungskonzerns Axa, Claude Bébéar, der als wichtiger Drahtzieher in Frankreichs Industrie- und Finanzwelt gilt, im Juli 2002 aus dem Urlaub geholt worden, um bei Vivendi zu retten, was noch zu retten war.

Lévys Hauptaufgabe hingegen wird es nicht mehr sein, zu restrukturieren und Schulden abzubauen. Der schlanke 49-Jährige mit dem grauen Haar wird eine schlüssige Langfrist-Strategie für den Mischkonzern finden müssen. Denn trotz Fourtous Aufräumarbeiten, bei denen er für über 17 Milliarden Euro Unternehmensteile verkaufte, ist Vivendi Universal ein Mischkonzern geblieben, in dem sich Telekom- und Mediengeschäft unter einem Dach befinden. Nicht wenige Analysten zweifeln daran, ob diese Struktur im neuen Jahrtausend noch sinnvoll ist.

Schließt man vom Lebenslauf Lévys auf die sich abzeichnende Strategie, so dürfte Vivendi sein Heil im Telekomgeschäft suchen. Denn Levy, Absolvent der technischen Elite-Uni Polytéchnique, ist ein eingefleischter Telekommanager, der zudem Erfahrungen in der Finanzszene gesammelt hat. Kenner des Konzerns prognostizieren bereits Spannungen mit Bertrand Meheut, dem Chef der Tochter Group Canal+, der ebenfalls zu den Leitwölfen im neuen Vivendi-Vorstand gezählt wird. Canal+, zu dem Abofernsehen und TV-Produktionsfirmen gehören, zählt zu den Baustellen des Konzerns. „Das hochprofitable Telekomgeschäft läuft von alleine, im Mediengeschäft bei Vivendi gibt es die meiste Arbeit, und genau da hat Lévy wenig Erfahrungen“, kritisiert ein Manager der Medienbranche. Dem Musikgeschäft von Universal, dem größten Label der Welt, bricht Umsatz durch illegale Kopien aus dem Internet weg. Die Spieletochter VU Games schreibt rote Zahlen.

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