Wirtschafts-Kanzleien
Die Schnellen sind auch die Teuren

Zum siebten Mal hat das Handelsblatt die 1 500 größten deutschen Unternehmen nach ihrer Zufriedenheit mit ihren Wirtschaftskanzleien befragt. Das Fazit: Hohe Qualität wird immer kostspieliger, doch die Unternehmen haben wirksame Gegenstrategien entwickelt.

Der Chefjurist einer Hypothekenbank klagte bitter: aufblähen, ausweichen, ausnehmen – das sind die Hauptvorwürfe an die Adresse der deutschen Top-Kanzleien. Sie folgen der Unsitte – sogar ungefragt –, weitschweifige Rechtsgutachten abzuliefern. In denen sie zwar fleißig Literatur zusammentragen, aber dafür die klare Antwort auf die eigentliche Rechtsfrage schuldig bleiben. Zwangsläufig sind Diskussionen ums Honorar die Folge, sagte der Unternehmensjurist dem Handelsblatt bei der diesjährigen Unternehmensumfrage. Den Anwälten ist die eigene Haftungsvermeidung sogar wichtiger als der gute Rat für den Mandanten, heißt es bei einem Heizungsanlagenbauer. Das Fazit eines Pharmaherstellers: „Die nicht so teuren sind oft zu langsam, die schnellen meist sehr teuer – hier besteht ein klarer Bezug.“

Dies sind die Antworten, die das Handelsblatt erhielt, als es dieses Jahr zum siebten Mal in Folge die 1 500 größten Unternehmen befragte: Wie zufrieden sie mit ihren Wirtschaftsanwälten sind und wie viel sie für sie ausgeben müssen? Auch Novartis Pharma aus Nürnberg wirft den Advokaten vor: „Ihre Ausführungen sind zu langatmig. Fürs Management müssen diese nochmals zusammengefasst werden“ – von den eigenen Leuten.





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Und auch Volkmar Schneider vom Automobilzulieferer Johnson Controls in Burscheid bei Leverkusen kritisiert: „Das Hauptproblem bei Großkanzleien ist die Masse der Anwälte, die an einem Fall arbeiten.“ Sprich: Man macht sich mehr Arbeit als nötig. Und die wird dem Klienten auch berechnet. Die Honorare der Top-Wirtschaftskanzleien sind erneut gestiegen – in den vergangenen sechs Jahren immerhin um 14 Prozent – und liegen im Schnitt bei 288 Euro je Stunde. Die Umfrage ergab im Detail: Die Anwaltsstunde kostet die Unternehmen beim Partner im Schnitt 361 Euro, beim angestellten Anwalt 251 und beim Junganwalt 201 Euro. Die Junioren haben damit erstmals die Schallmauer von 200 Euro durchbrochen – ebenso wie bei ihren eigenen Gehältern, denn eine Hand voll Kanzleien zahlt ihnen bereits Einstiegsgehälter von 100 000 Euro.

Die Unternehmen haben inzwischen eigene Taktiken, wie sie die Rechnungshöhe mindern: 72 Prozent der Unternehmen haben bei ihren Kanzleien Mengenrabatt durchgesetzt. 25 Prozent der Befragten drücken die steigenden Anwaltskosten mit anderen Mitteln – so wie der internationale Konzern in Bayern oder eine Direktbank, die unter ihren Kanzleien „eine Wettbewerbssituation aufbauen“. Wieder andere vereinbaren feste Pauschalen.

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