Wirtschaftskriminalität
Diskrete Jäger der „Weiße-Kragen-Täter“

Nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) wird jedes dritte Wirtschaftsdelikt von einem Mitarbeiter aus dem Topmanagement eines Unternehmens begangen. Gerade Unternehmen scheuen sich aus Angst vor schwerwiegenden Reputationsschäden, die Behörden einzuschalten. Sie schätzen die diskrete Ermittlung – was den Markt für so genannte forensische Dienstleistungen boomen lässt.

DÜSSELDORF. Langer Trenchcoat, den Kragen hochgeschlagen, den Schlapphut tief ins Gesicht gezogen, die Zigarre lässig im Mund – so das landläufige Klischee des privaten Ermittlers. Doch in der Realität müssen sie ganz anders auftreten: unauffällig und diskret – besonders wenn sie sich mit dem delikaten Thema Wirtschaftskriminalität befassen.

Dabei haben es gerade diese „white collar crimes“ – zu Deutsch: „Weiße-Kragen-Delikte“ – in sich: Denn in den Management-Etagen können Betrug oder Untreue schnell größere Summen erreichen. Die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Ernst&Young schätzt den durch Wirtschaftsdelikte verursachten Schaden für das vergangene Jahr auf bundesweit 8,3 Milliarden Euro. Allein die in einer PwC-Studie befragten 240 deutschen Banken und Versicherungen bezifferten den Schaden in ihren Unternehmen mit 250 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren laut PwC etwa 55 Prozent der großen und 31 Prozent der mittelständischen Unternehmen Opfer solcher Straftaten. Der große Unterschied dürfte allerdings weniger auf die größere Ehrlichkeit im Mittelstand zurückzuführen sein als vielmehr in den oft fehlenden Kontrollmechanismen.

Immer noch wird das Risiko unterschätzt, wie die PwC-Umfrage ebenfalls ergab. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie schon mal Opfer von Wirtschaftskriminalität waren – aber ein Drittel glaubt dennoch nicht, dass sie in den kommenden fünf Jahren betroffen sein könnten. „Wir haben hier eine völlige Verkennung der Realität. Die Täter stammen oft aus den eigenen Reihen. Hier wird den Mitarbeitern viel Vertrauen entgegengebracht,“ sagt PwC-Experte und ehemalige Staatsanwalt Steffen Salvenmoser.

Die aktuelle Kriminalstatistik belegt, dass zwar nur 1,4 Prozent der Straftaten Wirtschaftsdelikte sind, doch machen sie die Hälfte aller mit Schadenssummen erfassten Missetaten aus. Und dabei tauchen einige dieser „white collar“ Delikte nicht einmal in der Statistik auf: Denn für Bilanzfälschung ist die Steuerfahndung zuständig und die gehen in die polizeiliche Statistik nicht ein. Außerdem, so alle Experten unisono, dürfte die Dunkelziffer tatsächlich wesentlich höher liegen: Zum einen weil einige Delikte wegen mangelnder Kontrollmechanismen nicht auffallen; zum anderen, weil Firmen nicht alle Fälle anzeigen – aus Angst vor Imageschäden. So schätzen einige Experten, dass nur jede fünfte Straftat mit wirtschaftskriminellen Hintergrund zur Anzeige kommt.

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