Wirtschaftskriminalität
„Ombudsmann gehört in den Governance-Kodex“

Die sich häufenden spektakulären Fälle von Wirtschaftskriminalität bringen auch das Thema „Vertrauensanwalt“ wieder auf die Tagesordnung. Experten fordern, solche Ansprechpartner auch im Corporate-Governance-Kodex festzuschreiben. Denn bisher fällt die Bilanz zu dem Thema mager aus.

FRANKFURT. Rechtsexperten fordern, die Rolle des Vertrauensanwalts oder Ombudsmanns in Firmen deutlich zu stärken und zu institutionalisieren. „Seine Einführung sollte im Corporate-Governance-Kodex verankert werden“, fordert Volker Hoffmann von der Kanzlei Hoffmann & Partner. Anlass sind die sich häufenden spektakulären Fälle von Wirtschaftskriminalität.

In vielen Fällen sei der Einsatz des Vertrauensanwalts als Anlaufstelle für anonyme Hinweise auf Missstände halbherzig, beklagt Hoffmann. „Nach der pressewirksamen Einführung lässt man ihn häufig einschlafen“, berichtet der Rechtsanwalt und Ombudsmann aus seiner Erfahrung.

Im Corporate Governance Kodex sind Regeln festgeschrieben, wie ein Unternehmen verantwortungsvoll geführt und kontrolliert werden sollte. Er enthält etwa Empfehlungen, welche Informationen zu den Bezügen von Vorstand und Aufsichtsrat publiziert werden sollten. Das Modell des Ombudsmanns hat in dem Regelwerk bislang aber keine Rolle gespielt.

Hoffmann, früher Staatsanwalt für Wirtschaftsstrafsachen, gilt als „Vater“ der deutschen Version des Vertrauensanwalts. Die Idee entstand vor gut zehn Jahren, nachdem beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp ein anonymer Hinweis auf Verfehlungen eines Top-Managers aufgetaucht war. „Wir haben damals gemerkt, dass es hilfreich gewesen wäre, wenn man bei dem Tipp-Geber hätte nachfragen können. Da ist uns die Idee mit dem neutralen und unabhängigen Anwalt als Ansprechpartner für solche Fälle gekommen“, erinnert sich Hoffmann. In der deutschen Wirtschaft gilt die Deutsche Bahn als Pionier des Vertrauensanwalts. Sie führte den Ombudsmann im Jahr 2000 ein.

Zwar haben Fälle wie der Abhörskandal bei der Deutschen Telekom sowie die Korruptionsaffären bei Siemens oder Volkswagen die Sensibilität für den Ombudsmann grundsätzlich gesteigert. So nehmen seit kurzer Zeit mehr Unternehmen die Dienste von Hoffmann in Anspruch, darunter auch mittelständische Firmen. Das bestätigte jüngst Rainer Buchert, ehemaliger Landeskriminaldirektor und fünf Jahre lang Ombudsmann der Deutschen Bahn: „Die Nachfrage aus der Wirtschaft nach Ombudsleuten steigt sprunghaft.“ Für ihn ist der Vertrauensanwalt denn auch ein „zentraler Baustein“ der Korruptionsbekämpfung.

Dennoch, in der Gesamtschau fällt das Resümee von Rechtsanwalt Hoffmann eher bescheiden aus. „Nach gut zehn Jahren muss man feststellen, dass die Vertrauensanwälte eher selten in Anspruch genommen werden.“ Ein Grund sei sicherlich die geringe Bekanntheit einer solchen Institution, was wiederum häufig mit der „wenig nachhaltigen Präsentation des Vertrauensanwalts durch das Unternehmen“ zusammenhänge.

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