Wirtschaftskriminalität
Wenn Manager zu Tätern werden

Männlich, Mitte 40, deutsch, verheiratet und hochgebildet. So sieht der Idealtyp des erfolgreichen Managers aus, könnte man meinen. Dieses Profil beschreibt jedoch das Gros der Wirtschaftskriminellen. Die Täter mit dem weißen Kragen aber ohne weiße Weste schlagen bevorzugt in Krisenzeiten zu. Dennoch sparen gerade jetzt viele Firmen an Prävention und Kontrollen.
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DÜSSELDORF. Über Motivation und soziale Hintergründe solcher Täter wussten die Experten bislang wenig. Entsprechend vage gestaltet sich die Prävention und ihre Enttarnung im Betrieb. Die ist aber umso wichtiger in Krisenzeiten wie heute, in denen Wirtschaftsdelikte sprunghaft zunehmen.

Hendrik Schneider, Professor für Wirtschaftsstrafrecht an der Universität Leipzig, und Dieter John, Betrugsexperte und Vorstand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rölfs Partner, haben nun versucht, Wirtschaftsstraftäter zu typisieren. Ihr Fazit: Mögen sie sich auf den ersten Blick stark ähneln, sind Wirtschaftskriminelle alles andere als eine homogene Gruppe. Aus dem Zusammenspiel von Tatgelegenheit und Persönlichkeitsstruktur leiten sie Handlungsempfehlungen für Unternehmen ab.

Dazu analysierte Schneider die Urteile der drei Berliner Wirtschaftsstrafkammern aus dem Jahr 2007. Eine aufwendige Sache, zumal die Akten nur nach langwierigen Genehmigungsverfahren einsehbar waren. Ergänzt wurden die Urteile durch Praxisfälle der Betrugsaufklärer von Rölfs Partner. Insgesamt wurden 50 Täterprofile durchleuchtet.

Grundsätzlich unterscheiden Experten zwischen Tätern, die eine Gelegenheit ergreifen, und solchen, die gezielt die Gelegenheit zur Tat suchen. In der quantitativ nicht repräsentativen Studie hielten sich beide Gruppen die Waage. Der „Gelegenheitsergreifer“ ist langjähriger Mitarbeiter, der hohes Vertrauen genießt und durch Kontrolllücken zum Täter wird.

So ist die Dunkelziffer extrem hoch: „Nur eine von sechs Wirtschaftsstraftaten wird aufgedeckt“, weiß John. Der Schaden erreicht in Deutschland mindestens eine zweistellige Milliardenhöhe, lässt sich aber kaum seriös abschätzen. Sicher ist nur eines: Krisenzeiten schaffen den Nährboden für Wirtschaftsdelikte. Das belegt die Analyse, die vier Idealtypen herausfilterte. Am häufigsten vertreten:



Der Krisentäter
Karriereorientiert mit geradlinigem Lebenslauf wirft ihn ein Ereignis im Beruf oder Privatleben aus der Bahn. Schneider: „Wessen Karriere stockt, macht als Täter Karriere.“ Frust kann schnell in Rache umschlagen, wenn sich jemand von der Firma übergangen fühlt: Dann verkauft er eben Daten an die Konkurrenz oder greift in die Kasse.



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