Wirtschaftsprüfer in der Industrie
Wer den Macher in sich spürt

Wirtschaftsprüfer, die in die Industrie wechseln, sind rar. Dabei lecken sich seit Jahren Personalberater alle Finger nach ihnen. Doch ein Seitenwechsel bedeutet nicht nur Statusverlust für den Kontrolleur, auch finanziell ist er oft unattraktiv.

DÜSSELDORF. „Wer einen Abschluss als WP hat, ist ein hervorragender Analytiker, der die Werttreiber in Unternehmen sofort erkennen und Geschäftsmodelle fundiert bewerten kann“, erläutert Alexander Leschinsky, Partner der Personalberatung Kienbaum Executive Consultants in Hannover, den Grund für das neu entfachte Interesse an den Unternehmenskontrolleuren.

Auf Basis der Zahlenwerke beurteilen zu können, welche Schritte in der Wertschöpfungskette Unternehmen wirklich Gewinn bringen oder nichts weiter als Risiken, ist eine der Schlüsselqualifikationen der Manager von heute. „Etliche Firmen mussten besonders in den vergangenen drei Jahren feststellen, dass ihre Geschäftsmodelle mit der Veränderungsdynamik des Internets und der Globalisierung nicht Schritt gehalten haben und schleunigst runderneuert werden müssen“, so Leschinsky. Ein kaufmännischer Geschäftsführer, der Branchenexpertise mitbringt und schon einige Unternehmen von innen gesehen hat, und der obendrein weiß, wie man das schwierige Thema Geschäftsmodellanpassung anpackt, – der würde so einigen Firmenchefs gut gefallen.

Doch Wirtschaftsprüfer für eine solche Unternehmenskarriere zu gewinnen, ist schwer. Denn er bedeutet Statusverlust. „Wirtschaftsprüfer erfüllen mit der Abschlussprüfung einen Auftrag im Interesse der Öffentlichkeit. Wechseln sie in die Industrie, sind Interessenskonflikte nicht mehr auszuschließen“, erläutert David Thorn von der Wirtschaftsprüferkammer in Berlin. „Deshalb müssen sie offiziell gegenüber der Wirtschaftsprüferkammer auf ihre Bestellung als Wirtschaftsprüfer verzichten und dürfen nicht mehr als solcher tätig werden.“

Der Wirtschaftsprüfer kann zwar jederzeit seine Wiederbestellung beantragen, doch auch finanziell ist der Seitenwechsel unattraktiv: Wirtschaftsprüfer verdienen vor allem als Partner großer WP-Gesellschaften so gut, dass der Sprung in ein mittelständisches Unternehmen oft Gehaltseinbußen bedeutet. „Wirtschaftsprüfer verdienen kurz nach ihrem Abschluss bei den WP-Gesellschaften bereits 70 000 bis 80 000 Euro“, so Heinz Evers, Vergütungsexperte aus Gummersbach. „Nach drei bis fünf Berufsjahren verdienen sie 90 000 bis 110 000 Euro. Und als Partner sind Jahressaläre ab 150 000 Euro und deutlich mehr üblich. Zum Vergleich: „Wenn ein Abteilungsleiter Finanzen oder Steuern in der Industrie 100 000 Euro verdient, ist er damit schon gut bedient“, urteilt Evers. Kein Wunder, dass die hoch qualifizierten Experten nur selten aus der Prüferbranche aussteigen. „Ein Grund, die Seite zu wechseln, ist das Gefühl, endlich auch mal als Macher die Dinge selber anzupacken“, stellt Kienbaum-Mann Leschinsky fest. Wer in sich verspürt, dass das, was er bisher geleistet habe, doch nicht alles gewesen sein kann, nimmt auch ein paar Jahre mit weniger Gehalt hin: „Die Aussicht, an die Spitze der Geschäftsführung oder in den Vorstand aufzurücken, ist dann wichtiger.“

Doch auch in den WP-Gesellschaften sind die Karriereperspektiven derzeit rosig. 1 200 neue Fachkräfte sucht allein Ernst & Young: 500 in der Wirtschaftsprüfung, 400 in der Steuer-, 200 für die Management- und 100 für Transaktionsberatung. „Dabei sind erstmals nicht nur Uniabsolventen gefragt, sondern auch Mitarbeiter, die schon zwei bis vier Jahre Berufserfahrung in der Industrie oder in anderen Beratungen haben“, weiß Karen Hochrein, Personalchefin bei Ernst & Young.

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