Wirtschaftsprüfer
Wenn ein Tierpfleger die Firma führt

Das Aufgabenfeld wird für Wirtschaftsprüfer immer größer, dafür sorgt schon der Gesetzgeber: Die Kontrolleure sollen sich nicht nur für schwarze Kassen, sondern auch für das Personal interessieren – und leben gar nicht schlecht davon.

DÜSSELDORF. Wirtschaftsprüfer müssen ihre Nase in immer mehr Dinge stecken. Sogar herausfinden, ob Firmen ihre Abteilungen richtig besetzt haben: So hatten die Wirtschaftsprüfer einer großen, mittelständischen Bank in Bayern bemerkt, dass auffällig viele Kredite von den Schuldnern nicht mehr zurückgezahlt wurden und die Bank hohe Rückstellungen bilden musste. Die Prüfer kamen dann auf die Ursache: Missmanagement war schuld an dem Dilemma. Die Kreditabteilung war eklatant unterbesetzt. Statt einer Sollstärke von 20 Mitarbeitern, gab es nur zehn Leute. Hinzu kam, dass diese auch noch unterqualifiziert waren. Der Vorstand hatte bei diesen Personalkosten am falschen Ende gespart. Das Ende vom Lied: Er musste sofort seinen Hut nehmen.

Noch ein Beispiel gefällig? Ein anderer Wirtschaftsprüfer entdeckte bei einem Handelsunternehmen, dass hohe Rechnungen von den Kunden nicht bezahlt worden waren. Teils wegen Insolvenzen, teils weil das Unternehmen die säumigen Schuldner gar nicht gemahnt hatte. Denn: Die 40 Mann starke Firma hatte gar kein Mahnsystem. Wie das sein konnte? Es stellte sich heraus, dass der Geschäftsführer diesen Missstand zu vertreten hatte. Der Mann war überfordert: Von seiner Ausbildung her war er Tierpfleger – und frei von kaufmännischen Kenntnissen. Doch die Direktoren seiner Holding mochten den Mann und hatten ihm den Job zugetraut. Einfach so. „Der Schaden betrug dann zwei Millionen Euro“, erzählt Michael Hendricks, Jurist und Experte für Managerhaftpflichtversicherungen in Düsseldorf, bei dem dieser Fall schließlich landete.

Dass WP-Gesellschaften – wie KPMG bei Siemens – bei ihren Buchprüfungen in Konzernen auf unerklärliche Geldströme stoßen, verwundert da gar nicht mehr. Dann gehört es zu ihrer Pflicht und Schuldigkeit, dubiose Machenschaften dem Unternehmen zu melden, bis hinauf zum Vorstand.

Fazit: Das Aufgabenfeld wird für Wirtschaftsprüfer nicht nur in Banken immer größer, dafür sorgt schon der Gesetzgeber. Sie leben auch nicht schlecht davon. „Im Durchschnitt kostet eine Wirtschaftsprüfer-Stunde die Unternehmenskunden 200 Euro Honorar“, berichtet Stephan Schilling, Vorstandsmitglied bei der WP-Gesellschaft Rölfs-Partner in Düsseldorf. Im Einzelnen kostet der Assistent 100 bis 120 Euro je Stunde, ein Senior 120 bis 180 Euro und ein Partner 150 bis 350 Euro je Stunde. Zum Vergleich: Ein Anwalt der Top-50- Wirtschaftskanzleien berechnet – so ergab die Handelsblatt-Untersuchung Ende vergangenen Jahres – im Schnitt 288 Euro, die Partner-Stunde im Schnitt 361 Euro. Da liegen Unternehmensberater noch drüber: „Ein Top-Unternehmensberater bekommt etwa 375 Euro in der Stunde“, vergleicht Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Jedoch: Wurden die Prüfungshonorare für WPs früher nach Stunden abgerechnet, sind heute meist Festpreise üblich, weiß Schilling. Er verrät auch den Grund: „In flauen Zeiten setzten die WPs immer mehr Berater auf ein Mandat. Nach der Prüfungssaison, also ab April, hatten die WP-Gesellschaften personelle Überkapazitäten und boten diese dann unter Preis an, um wenigstens ihre Kosten zu decken.“ Daraufhin fielen die Preise der WPs – und blieben danach auch unten. Die Unternehmen bekamen eine gute Verhandlungsposition.

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