Wirtschaftsunternehmen werden streitbarer
Großkanzleien rüsten im Prozessgeschäft auf

Die großen Sozietäten in Deutschland verstärken deutlich ihre Litigation-Abteilungen. Der Grund: Auf Prozessrecht spezialisierte Anwälte haben zurzeit Hochkonjunktur, besonders solche, die die gesamte Klaviatur von der Mediation über die Prozesstaktik bis hin zur späteren Vollstreckung beherrschen.

GARMISCH. Verantwortlich für die Aufrüstung ist die zunehmend aggressive Streitkultur in der Wirtschaft. "Kirch gegen Breuer ist sicher ein Prozess, den es in der alten Deutschland AG nicht gegeben hätte", sagt Detlef Haß, Leiter der deutschen Litigation-Abteilung bei der Kanzlei Lovells. Und Peter Klappich, in gleicher Funktion für den Konkurrenten Linklaters Oppenhoff & Rädler in Köln tätig, betont, dass für diese neue Streitwelle das insgesamt schlechte Wirtschaftsklima mitursächlich ist: "Wenn es der Wirtschaft gut geht, vergleichen sich die Unternehmen. Doch in rezessiven Phasen haben viele Unternehmen auf Grund leerer Kassen gar keine andere Wahl, als den Streit ausurteilen zu lassen."

Dieser Trend spiegelt sich auch in konkreten Zahlen wieder: Bei Freshfields wechselten Mitte April 2004 drei Partner in die Corporate Litigation Praxis. Dort arbeiten derzeit 15 Partner mit insgesamt 35 Mitarbeitern die gestiegene Nachfrage im Bereich transaktionsbezogener Prozesse ab. Bei Linklaters besteht das Litigation/Arbitration-Team aus 30 Rechtsanwälten - seit 2000 ein Zuwachs von 30 Prozent. Und bei Lovells beschäftigen sich 18 Partner und 30 Associates mit der Lösung von Konflikten. Die dortige Praxisgruppe "Konfliktlösung" ist allein im letzten Geschäftsjahr um 3 neue Partner und 6 Associates gewachsen.

Spezialisten immer stärker gefragt

Damit bestätigt sich zugleich eine vom Marktforschungsunternehmen Taylor Nelson Sofres 2002 durchgeführte Befragung unter 200 Syndikusanwälten. Diese prognostizierten bereits damals, dass der Bereich Litigation neben Bank- und Kapitalmarktrecht sowie IP-Recht zu den am meisten nachgefragten Materien der nächsten Jahre zählen wird.

Eine Entwicklung, die belegt, dass der Einheitsjurist in der juristischen High-End-Beratung längst Legende ist. Anwälte müssen sich immer stärker spezialisieren, um maßgeschneiderte Lösungen und innovative neue Produkte für ganz spezielle Zielgruppen anzubieten. Deshalb ist in den deutschen Top-Kanzleien mittlerweile Arbeitsteilung angesagt: Zunächst definiert der Experte im materiellen Recht mit dem Mandanten das Ziel. Der Prozessrechtsanwalt soll danach als Konfliktlöser den besten Weg finden.

Seite 1:

Großkanzleien rüsten im Prozessgeschäft auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%