Wissensbilanz: Was Wissen wirklich wert ist

Wissensbilanz
Was Wissen wirklich wert ist

Wissen ist Macht. Stellt sich nur die Frage: Wie lässt sich Wissen, also das intellektuelle Kapital eines Unternehmens, messen? Dabei sollen so genannte Wissensbilanzen helfen. Sie beinhalten Kompetenzen der Mitarbeiter ebenso wie wertvolle Beziehungen zu Geschäftspartnern. Dies schätzen auch die Anleger.

Sorgfältig gepflegte Kundenbeziehungen, exzellent ausgebildete Mitarbeiter, motivierte Teams oder der Innovationsgeist im Hause – dies alles trägt heute in vielen Unternehmen mehr zur Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit bei als die klassischen Produktionsfaktoren. Wissen ist eben Macht. „Das intellektuelle Kapital ist der Erfolgstreiber der Zukunft“, betont der Berliner Unternehmensberater Kay Alwert. „Die Frage ist aber: Wie kann man dies messen und strukturiert managen?“

Ein Ansatz dafür ist eine Wissensbilanz. Diese erfasst und bewertet immaterielle Vermögenswerte wie Kompetenzen der Mitarbeiter, effiziente Organisations- und Prozessabläufe sowie gute und wertvolle Beziehungen zu Geschäftspartnern. All diese ansonsten schwer fassbaren Faktoren weist eine Wissensbilanz in strukturierter Form aus. Sie soll auch Investoren und Analysten ergänzende Informationen zu herkömmlichen Bilanzen bieten. Denn anders als klassische Finanzberichte ist die Wissensbilanz zukunftsorientiert.

Deutschland gilt in puncto Bilanzierung von Wissen europaweit als Vorreiter. Im Arbeitskreis Wissensbilanz entwickeln Berater, Unternehmer und Experten des Fraunhofer Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft dieses Berichtsverfahren fort.

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In der ersten Projektphase vor zwei Jahren hatten die Fachleute 14 kleineren Pilotunternehmen geholfen, solche Bilanzen zu erstellen. In der Praxis sah das so aus: Bei mehreren eintägigen Workshops definierten Manager und Mitarbeiter gemeinsam, welche Kompetenzen, Beziehungen oder Abläufe für ihren Geschäftserfolg entscheidend sind. Meist stoßen die Teams auf neun bis zwölf besonders wichtige Faktoren. Das können Fachkenntnisse sein, Fehlzeitenquote und Mitarbeiterfluktuation, die Qualität der Öffentlichkeitsarbeit, eine besonders hohe Motivation der Mitarbeiter oder eine intensive Beziehung zu wichtigen Kunden. „Die Crux ist, dass man die Faktoren im Groben schnell benennen kann“, sagt Alwert, Gründungsmitglied des Arbeitskreises. „Wichtig ist es aber, sie im Detail genau zu beschreiben.“

Entscheidend ist die Auswertung der Daten: Wie gut ist ein Unternehmen in den erfolgskritischen Disziplinen? Wie systematisch geht es mit diesen Aufgaben um? Alwert: „Welche Erfolge hat man aktiv errungen, und in welchen Bereichen schneidet man mehr oder weniger zufällig gut ab.“ Diese Fakten können Manager dann nutzen, um Stärken im Betrieb auszubauen oder Schwächen abzustellen. „Die Wissensbilanz ermöglicht eine umfassende und ganzheitliche Unternehmensanalyse und dient als strategisches Frühwarnsystem“, erklärt Markus Will vom Fraunhofer IPK.

Rund 100 Unternehmen haben im vergangenen Jahr Wissensbilanzen erstellt. Auch große Konzerne sind inzwischen auf dieses Instrument aufmerksam geworden – etwa der Baukonzern ABB. Die Tochter Blumenbecker in Beckum, ein Anbieter von Automatisierungstechnik, erstellte vor zwei Jahren eine Wissensbilanz, um dem Management einen Überblick über Qualifikationsniveau der 650 Mitarbeiter und Fluktuation zu verschaffen und abzuschätzen, wie sich diese Faktoren entwickeln. Auch der Automobilzulieferer ZF Sachs in Schweinfurt gehört zu den Großunternehmen, die das Instrument Wissensbilanz testen. „Aus der festen Überzeugung, dass wir zur Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit das Know-how unserer Mitarbeiter optimal nutzen müssen”, betont Projektleiter Martin Drescher. „Um unsere Potenziale zu ermitteln, brauchen wir einen systematischen Ansatz.“

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