Wissenschaftler schrieb ohne Computer
Neil Postmann ist tot

Der amerikanische Medienwissenschaftler Neil Postman ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Nach Berichten der „New York Times“ und der „Zeit“ vom Donnerstag erlag Postman, der vor allem das kommerzielle Fernsehen kritisiert hat, am vergangenen Sonntag in seinem Wohnort Flushing in der Nähe von New York einem Krebsleiden.

HB NEW YORK/HAMBURG. Der Wissenschaftler und Autor wurde mit Büchern wie „Wir amüsieren uns zu Tode“ (1985) und „Das Verschwinden der Kindheit“ (1984) bekannt. In beiden Werken wendet er sich engagiert gegen die Auswirkungen des Fernsehens, vor allem des kommerziellen TV. Fernsehen gefährde die Urteilsbildung der Bürger, argumentierte er. Der Zwang zur Bebilderung führe zu einer Entleerung der Inhalte von Politik und Kultur. Der Zwang der Sender, alle Inhalte unterhaltsam aufzubereiten, um möglichst hohe Zuschauerquoten zu erreichen, bewirke eine „Infantilisierung“ (Verkindlichung) der Erwachsenen.

Postman hatte einen Lehrstuhl als Kommunikationswissenschaftler und „Medien-Ökologe“ an der New York Universität. In seinen jüngsten Arbeiten nahm der Kämpfer gegen „technologische Verdummung“ auch die Auswirkungen der global vernetzten Computerwelt ins Visier. Die Gesellschaft leide an einer Art „kulturellem Aids“, meinte er provozierend, „weil unser Immunsystem unter der ungefilterten Informationsflut zusammenbricht“. Die weltweite Online-Gemeinschaft verarme auch sinnlich, wenn sie mit Computer-Shopping, Computer- Studium und Computer-Erotik das richtige Leben zu ersetzen versuche.

Postman selbst schrieb konsequent ohne Computer. In den vergangenen Jahren veröffentlichte der Vater von drei erwachsenen Kindern noch die Werke „Keine Götter mehr. Das Ende der Erziehung“ (1995) über den Einfluss der Medien auf das Wertesystem der Kinder und „Die zweite Aufklärung. Vom 18. ins 21. Jahrhundert“ (1999).

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