WM-Tickets
Staatsanwaltschaft klagt EnBW-Chef Claassen an

Der Vorstandschef des Energieversorgers EnBW, Utz Claassen, muss sich vor Gericht verantworten. Er hatte Politiker mit Eintrittsgutscheinen für die Fußball-Weltmeisterschaft beglückt.

HB KARLSRUHE. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe erhob gegen Claassen Anklage wegen Vorteilsgewährung, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Claassen habe sechs Mitglieder der Landesregierung Baden-Württemberg und einen Staatssekretär der Bundesregierung mit seiner Weihnachtspost persönlich zu WM-Spielen in die Loge des Unternehmens eingeladen.

Nach den Ermittlungen übersandte Claassen im Dezember 2005 mit der Weihnachtspost Karten mit handschriftlich verfassten persönlichen Wünschen an sechs Mitglieder der baden-württembergischen Landesregierung und an einen Staatssekretär der Bundesregierung. Darin dankte er für die gute Zusammenarbeit gedankt und legte Gutscheine für WM-Tickets bei, wie Behördensprecher Rainer Bogs sagte.

Die Mitglieder der Landesregierung erhielten laut Anklage jeweils einen Gutschein über zwei Karten für ein Spiel in Stuttgart, der Staatssekretär über eine Karte für ein Spiel in Berlin. Die Einladung sei in die EnBW-Loge erfolgt. Der Stromkonzern war Sponsor der Weltmeisterschaft. Der Wert eines solchen Platzes betrug in Stuttgart 2 111 Euro und in Berlin 2 600 Euro.

Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) und der Staatssekretär hätten das Angebot akzeptiert. Gegen sie solle das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt werden. Die übrigen seien auf das Angebot nicht eingegangen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die dienstlichen Aufgaben und Tätigkeiten der sieben Gutscheinempfänger wiesen „jeweils Berührungspunkte mit Relevanz für den Geschäftsbereich der EnBW auf“. Nach der Bewertung der Staatsanwaltschaft sei es Claassen mit seiner persönlichen Ansprache und der Zuwendung darauf angekommen, sich für die Berücksichtigung der Belange des Konzerns erkenntlich zu zeigen, das bestehende Verhältnis zu pflegen oder zu verbessern und auch für die Zukunft die nützlichen Kontakte aufrechtzuerhalten, um so die Interessen des Unternehmens direkt bei der jeweiligen Behördenspitze einbringen zu können.

Der EnBW-Chef hatte laut Staatsanwaltschaft mit seiner Weihnachtspost an weitere 31 Personen Gutscheine verschickt. Bei diesen Personen habe es sich entweder nicht um Amtsträger gehandelt oder ein dienstlicher Bezug sei nicht festgestellt worden, sagte Bogs.

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