Wohltätigkeit
Spenden macht reich

Wohltätigkeit schafft neben Prestige auch finanzielle Kompetenz, sagen Experten.

HB DÜSSELDORF. Der prominenteste Spender der Welt, Bill Gates, hat ein wichtiges Ziel. 95 Prozent seines Vermögens in Höhe von knapp 46,5 Mrd. Dollar will er bis zu seinem Tod für wohltätige Zwecke ausgegeben haben. 27 Mrd. Dollar hat er bereits in seine Privatstiftung Bill & Melinda Gates Foundation gesteckt. Ein Rekord, wie es ihn nur in den von einer besonderen Spendenkultur geprägten USA geben kann. Doch auch in Deutschland haben Privatbürger und Firmen die Vorteile des Spendens entdeckt und geben mehr denn je. Das verschenkte Geld sorgt nicht nur für ein gutes Gewissen und soziales Prestige, es übt auch im disziplinierten Umgang mit Geld, sagen Soziologen und Psychologen. Damit fließe oft mehr wieder herein als zuvor ausgegeben wurde.

„Mit Spenden bringe ich mich psychologisch in die Gewinnzone“, sagt die Psychologin Monika Müller aus Wiesbaden, die sich auf den Umgang mit Geld spezialisiert hat. Das sorge dann auch generell für mehr Selbstbewusstsein in Geldfragen. Die Managementberaterin und Bestseller-Autorin Gertrud Höhler sagt: „Die Spende schafft finanzielle Potenz“ (siehe „Statt Opfer werden wir Wohltäter“). So sehen es offenbar auch immer mehr Deutsche. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest ist die Spendenbereitschaft der Deutschen im laufenden Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen. In den vergangenen elf Monaten hat jeder zweite Bundesbürger im Alter von mehr als 14 Jahren Geld an eine Hilfsorganisation gegeben, zehn Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Auch unter den Firmen ist das Engagement für den guten Zweck auf dem Vormarsch. 2,7 Mrd. Euro geben deutsche Unternehmen für Sponsoring aus. Davon fließen inzwischen 18 Prozent in soziale oder kulturelle Einrichtungen. Vor zwei Jahren waren es nur zehn Prozent, der Rest wurde für das Sport-Sponsoring ausgegeben. „Selbst beim Sport ist die Einstellung inzwischen anders“, sagt Jean-Baptiste Felten vom Fachverband Sponsoring. „Dort werden auch Breitensport und Schulsport viel mehr gefördert als früher.“ Einfach nur Reklame in ein Stadion zu hängen, damit begnügten sich die meisten nicht mehr.

Ein wichtiges Motiv: Ob Firma oder Privatperson – Spenden an allgemein anerkannte Organisationen sorgen für soziale Anerkennung. Das Max-Planck-Institut Plön hat in einem Feldversuch mit einer Gruppe von Studenten herausgefunden, dass Gruppenmitglieder, die an die Unicef spendeten, einen größeren Prestigegewinn verzeichneten als andere, die nur Mitspielern etwas schenkten und zu Sprechern gewählt wurden.

Das Status-Argument dürfte vor allem bei den Firmen ausschlaggebend sein. „Immer mehr Unternehmen geben eigene Reports über ihre gesellschaftlichen Engagements heraus“, sagt Felten. An einem solchen Bericht arbeitet auch die WestLB. „Soziales Engagement und Sponsoring, das ist für uns alles Teil eines Ganzen“, sagt Sprecher Marc-Sven Kopka , „wir wollen unsere Haltung nach außen sichtbar und erlebbar machen.“ Mit ein Grund: Kunden und Analysten fragen verstärkt nach solchen Aktivitäten.

Ansehen ist nicht der einzige Gewinn. Auch wer anonym regelmäßig einen Teil seines Gehalts weitergibt profitiert, sagt Psychologin Müller. „Gerade mit dem anonymen Spenden werte ich mich selbst auf“, sagt sie. Auch schaffe das stete Spenden eine gewisse Disziplin im Umgang mit Geld, die auch beim Thema Geldanlage abfärbe. Immerhin müsste sich der Spender regelmäßig Gedanken machen, wohin das Geld fließe und Zeit auf den sinnvollen Umgang mit Geld verwenden. Dies sei ein wichtiger Nebeneffekt des mitfühlenden Handelns, zu dem jeder Mensch ein Bedürfnis habe. Müller, die vor allem mit Frauen arbeitet, schätzt auch den Effekt, dass die Scheu vor Geldfragen damit generell schwinde.

Heilsam sei auch das stete Erlebnis, dass ein wenig Schwund in der Kasse nicht gleich arm macht. „Viele Anleger sind nicht risikofreudig genug und parken gerade in der Altersvorsorge ihr Geld in Positionen, die viel zu wenig Rendite bringt“, sagt Müller.

So scheint es zwischen Wohlstand und Wohltätigkeit einen Zusammenhang zu geben, bei dem das Eine das Andere fördert.

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