Wohnungskonzern
Gagfah wirbt Rivalin den Chef ab

GSW-Chef Thomas Zinnöcker wechselt in ein paar Wochen zum Rivalen Gagfah. Dort soll der Manager die Refinanzierung durchboxen – und nicht zuletzt auch den Ruf des kriselnden Wohnungsunternehmens aufpolieren.
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FrankfurtÜberraschungscoup der Gagfah : Das kriselnde Wohnungsunternehmen wird der Berliner Konkurrentin GSW den Chef abwerben. Thomas Zinnöcker solle das Ruder bei Gagfah übernehmen, bestätigte die Gagfah am Dienstagabend eine Reuters-Meldung. Es gebe intensive Gespräche mit Zinnöcker, erklärte das Wohnungsunternehmen. "Die Gagfah erwartet, dass diese Gespräche in Kürze erfolgreich abgeschlossen werden."

Reuters hatte von zwei mit den Plänen vertrauten Personen erfahren, dass Zinnöcker in etwa vier Wochen seinen neuen Posten antreten soll. Sein Vertrag bei der GSW werde voraussichtlich zum 15. April aufgelöst. Die GSW hatte schon am Montagabend bestätigt, dass sich Zinnöcker neuen beruflichen Herausforderungen stellen wolle. Der Aufsichtsrat muss der Vertragsauflösung noch zustimmen.

Zinnöcker hatte die GSW vor zwei Jahren an die Börse gebracht, Investoren der ersten Stunde konnten dabei einen guten Schnitt machen: Der Ausgabepreis der Aktie lag bei 19 Euro, inzwischen notiert das im Nebenwerteindex MDax gelistete Papier bei über 30 Euro. Obendrauf gibt es Dividenden. Mit fast 60.000 Einheiten zählt die GSW heute zu den größten börsennotierten Wohnungsgesellschaften in Deutschland und ist weiter auf Wachstumskurs.

Zeitweise war Zinnöcker deshalb auch als neuer Chef des ebenfalls an die Börse strebenden Wohnungsriesen Deutsche Annington gehandelt worden, doch der holte schließlich einen Bertelsmann-Manager an Bord. Nun soll Zinnöcker die Gagfah auf Vordermann bringen, die ungleich größer ist als die GSW.

Gagfahs Ruf hat am Kapitalmarkt und in der Öffentlichkeit gelitten. Immer wieder gibt es Berichte über den schlechten Zustand der Wohnungen, weil sich Mehrheitseigner Fortress, ein US-Finanzinvestor, über Jahre üppige Quartalsdividenden gönnte und dabei nach Ansicht von Kritikern die Mittel für Investitionen abzog.

Außerdem drückt den Konzern eine hohe Schuldenlast. Den Verkauf seiner 38.000 Wohnungen in Dresden konnte das Unternehmen unlängst zwar abwenden, weil sich eine Bank zur Refinanzierung der darauf lastenden milliardenschweren Verbindlichkeiten fand. Doch auch auf Konzernebene laufen dieses Jahr Darlehen aus.

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