Wolf-Dieter Ihle
Herr über toxische Wertpapiere

Ein Unternehmen zu gründen, erfordert Mut. Wenn das jemand tut, der in ungekündigter Stellung 30 Jahre lang für eine große Bank in leitender Stellung tätig war, ist das ungewöhnlich. Der ehemalige Banker Wolf-Dieter Ihle war so einer. Seine SAM Sachsen Asset Management GmbH wacht er über die Staatshilfen für HSH und SachsenLB.

BERLIN. Wenn jemand eine Unternehmensgründung während der Finanzmarktkrise wagt, muss auch ein bisschen Abenteuerlust dabei sein. Und diese Abenteuerlust hat Wolf-Dieter Ihle, der im Mai 2008 als geschäftsführender Gesellschafter die SAM Sachsen Asset Management GmbH in Leipzig gründete.

"Das war ein Start up", bestätigt Ihle im schwäbischen Idiom. Die SAM hat die Aufgabe, die vom Freistaat Sachsen gegebene Garantie in Höhe von 2,75 Mrd. Euro für ein toxisches Wertpapierportfolio der ehemaligen SachsenLB in Höhe von 17,5 Mrd. Euro zu schützen. Auch bei der HSH Nordbank ist Ihle aktiv. Die von den Mehrheitseignern Schleswig-Holstein und Hamburg übernommene Bilanzgarantie in Höhe von zehn Mrd. Euro überwacht die SAM ebenfalls. Ihle muss sich jetzt mit dem Vorwurf der Hamburger Opposition auseinandersetzen, dass frühere Brandstifter der SachsenLB zu Feuerwehrleuten gemacht werden.

Diesen Vorwurf kann Ihle nicht nachvollziehen. Schließlich schickte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ihren damaligen Bereichsleiter für Staatsanleihen, nämlich Ihle, im August 2007 als Brandlöscher in die SachsenLB. Ihle übernahm den Posten des Kapitalmarktvorstands. Die SachsenLB hatte über ihre irische Tochter jahrelang mit relativ wenig Eigenkapital ein großes Rad mit verbrieften Wertpapieren gedreht, was ihr fast zum Verhängnis wurde. Die Finanzaufsicht organisierte mit der Sparkassen-Finanzgruppe zunächst ein Rettungspaket, dann übernahm die LBBW die SachsenLB. Ihle war maßgeblich daran beteiligt, das 17,5 Mrd. Euro schwere Wertpapierportfolio abzuschirmen und unter die Verwaltung einer irischen Zweckgesellschaft namens Sealink zu stellen - die erste Bad Bank der Finanzmarktkrise.

Ihle, ein meist gut gelaunter Mann, ist mit den Kapitalmarktsitten vertraut, arbeitete er doch jahrzehntelang als Händler. Mitarbeiter bezeichnen ihn als einen selbstbewussten Manager, der mit Druck umgehen kann. Er bleibe auch in heiklen Situationen ansprechbar, jede Art von Selbstgefälligkeit sei ihm fremd. Aber auch in seiner Freizeit braucht Ihle offensichtlich den Kick. Immerhin fuhr er in diesem Jahr das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Sein Audi TT brachte es auf 270 km/h Höchstgeschwindigkeit bei 360 PS.

Nach der Übernahme der SachsenLB durch die LBBW stellte sich für den 51-jährigen Manager die Frage, was tun. Ihle räumt ein, dass die Bindekräfte der LBBW schon stark waren. Aber er tat sich schwer, nach seiner Zeit im Vorstand der SachsenLB wieder in die zweite Reihe der LBBW zurückzukehren. Da konfrontierte ihn der Freistaat mit einer reizvollen Aufgabe. "Den Verantwortlichen war klar, dass sie Spezialisten für die Überwachung der Bürgschaft brauchten", sagte Ihle. Schließlich enthält das Portfolio rund 500 verschiedene Wertpapiere, bei denen es sich ausschließlich um Verbriefungen handelt. Verbrieft wurden gewerbliche und private Immobilienkredite, Kreditkarten, Studentenkredite, Handelsforderungen und vieles mehr.

Selbst der Rechnungshof lobte den Freistaat, die Garantie eng prüfen zu lassen. Natürlich gebe es große Kanzleien, die gute juristische Beratung böten, Wirtschaftsprüfergesellschaften, die Zahlen überprüfen können und Banken, die die Marktseite im Auge haben - "aber es gibt keinen Berater, der das alles aus einer Hand bietet", sagt Ihle. Grundsätzlich sollen die Wertpapiere bis zur Endfälligkeit gehalten werden. "Dafür muss jedoch die Entwicklung der fairen Werte der Wertpapiere detailliert analysiert und mit der Entwicklung der hierfür am Markt angebotenen Kaufpreise verglichen werden", so Ihle. Daher muss SAM die Vertragsunterlagen sämtlicher Wertpapiere auf dem Schirm haben und zudem die Arbeit des Verwalters überprüfen.

Auch erwartet der Freistaat regelmäßig Berechnungen darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Bürgschaft gezogen wird. In eigenen Modellen wird versucht, das zu eruieren. Die Währungsentwicklung sei dabei ein wesentlicher Faktor für die Höhe der Ausfälle, da das Portfolio zu einem erheblichen Teil in Dollar fakturiert sei, aber die Garantie in Euro gegeben wurde, erklärt Ihle. Für 2009 rechnet er mit Belastungen für den Freistaat in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags.

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