Wolf-Dieter Ring: Medienwächter unter Beobachtung

Wolf-Dieter Ring
Medienwächter unter Beobachtung

Vor zwanzig Jahren wurde der Jurist Wolf-Dieter Ring an die Spitze der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) gewählt. Nun wackelt sein Stuhl. Wie eine Kreditaffäre Bayerns obersten Rundfunkkontrolleur Wolf-Dieter Ring in den Abgrund zu reißen droht.

DÜSSELDORF. Schämen braucht sich Wolf-Dieter Ring nicht. Bei der Eröffnung des Branchentreffs Medienforum NRW sitzt der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) gleicht hinter Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in der zweiten Reihe. Der Platz in der heillos überfüllten Halle auf dem Messegelände in Köln-Deutz ist sorgsam gewählt. Bayerns oberster Rundfunkkontrolleur will und muss öffentlich Flagge zeigen. Denn der leutselige Bayer kämpft ums politische Überleben.

Vor zwanzig Jahren wurde der Jurist mit Unterstützung der damals noch allmächtigen CSU an die Spitze der Medienaufsichtsbehörde gewählt. Nun wackelt wegen einer bislang einmaligen Kreditaffäre sein Stuhl. Was ist geschehen? Ring hatte es versäumt, das zuständige Ministerium zu informieren, dass der damalige Medienratschef und CSU-Politiker Klaus Kopka private Kredite von Fernsehunternehmen erhalten hatte. Kopka leitete von 1985 bis 2004 den Medienrat, eine Art Aufsichtsrat der mächtigen BLM. Privat geriet der fränkische Landtagsabgeordnete aber in finanzielle Bedrängnis. Vom inzwischen verunglückten Münchener Medienunternehmer Ralph Burkei lieh er sich insgesamt 215 000 Euro. Dem einstigen Schatzmeister der Münchener CSU Burkei gehörte das Unternehmen Camp TV. Darlehen bekam Kopka später auch vom Medienunternehmer Georg Kofler, Ex-Chef des Privatsenders Pro Sieben und des Pay-TV-Konzerns Premiere.

Eine mediale Amigo-Affäre? Die Opposition in Bayern fordert lautstark den Rücktritt von Ring. „Die BLM hat nicht aufgeklärt und nicht unverzüglich gehandelt“, kritisiert der Medienrat und SPD-Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher. „Das war ein ganz gezieltes Wegschauen. Die Medienaufsicht in Bayern funktioniert eben nicht“, legt der Medienexperte nach.

Um Ring wird es einsam, auch Bayerns Regierung geht auf Distanz zu dem einflussreichen Medienwächter. Bei einem „rechtlichen Zweifelsfall von erheblicher Tragweite wie diesem“ hätte die BLM eine frühzeitige Information der Rechtsaufsicht gewährleisten sollen, teilt der liberale Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch öffentlich mit.

Der gebürtige Wiener Ring hingegen sieht kein Vergehen durch sein Schweigen. Er argumentiert im Gespräch mit dem Handelsblatt juristisch. „Rechtlich hat es keine Verpflichtung zur Information der Staatsanwaltschaft und der Rechtsaufsicht gegeben“, sagt der sportliche 68-Jährige. „Ich trete nicht zurück. Ich bin bis Ende 2011 vom Medienrat als Präsident gewählt.“

Doch hinter den Kulissen wächst der Unmut. „Ring reißt mit seiner sturen Haltung sein eigenes Denkmal ein“, sagt ein Medienrat. Eigentlich genießt der leidenschaftliche Jugendschützer Ring in der Fernseh- und Radiobranche einen exzellenten Ruf. „Er ist ein Standortpolitiker par excellence“, lobt ein Medienwächter. Tatsächlich hat Ring es immer wieder geschafft, Investoren nach München zu locken. Trotz aller Unkenrufe ist die bayerische Landeshauptstadt mit Fernsehkonzernen wie Pro Sieben Sat 1, Premiere, aber auch kleineren Sendern wie RTL 2, Tele 5, HSE 24, AXN und Das Vierte der wichtigste TV-Standort der Republik.

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