Management
Wolfensohn wechselt von der Weltbank ins kleine Gaza

Zehn Jahre lang bekämpfte der scheidende Weltbankpräsident James Wolfensohn (71) Armut und Korruption auf der ganzen Welt. Zum 1. Juni wechselt der gebürtige Australier mit US-Pass nun in eines der trostlosesten Armenhäuser der Welt.

dpa WASHINGTON. Zehn Jahre lang bekämpfte der scheidende Weltbankpräsident James Wolfensohn (71) Armut und Korruption auf der ganzen Welt. Zum 1. Juni wechselt der gebürtige Australier mit US-Pass nun in eines der trostlosesten Armenhäuser der Welt.

Wolfensohn geht von der Vorstandsetage des weltweit größten Kreditgebers für Entwicklungsprojekte in Washington in den palästinensischen Gazastreifen. Sein Nachfolger bei der Weltbank wird der ehemalige US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz (61).

Nach dem Abzug von rund 8 000 israelischen Siedlern aus dem schmalen und überbevölkerten Küstenstreifen am Mittelmeer, der nicht viel größer als das Bundesland Bremen ist, soll der ehemalige Weltbankpräsident dort ein nahöstliches Wirtschaftswunder schaffen.

Befristet bis zum Jahresende will Wolfensohn als internationaler Sondergesandter des Nahost-Quartetts die am Boden liegende palästinensische Wirtschaft mit einer Geldspritze aus internationalen Hilfsmitteln zuerst einmal wieder auf die Beine bringen.

Nach einer fünftägigen Stippvisite in der Region ließ der Banker die Palästinenserführung schon wissen, dass sie ihre Finanzen in Ordnung bringen und die Ausgaben transparent gestalten müsse, damit wieder mehr internationale Hilfe fließt. Zugleich appellierte er an die Geberländer, den Palästinensern mit verbindlichen Zusagen eine gewisse Planungssicherheit zu geben.

Wolfensohn will nach eigenen Worten innerhalb eines Monats einen Wirtschaftsplan aufstellen. Im Gespräch mit Israels Vizepräsidenten Schimon Peres riss der neue Sondergesandte bereits Details an wie die schnellere Grenzabfertigung palästinensischer Güter, Hilfen für die palästinensische Landwirtschaft und die Schaffung von Jobs in neuen Industriezonen.

Die Palästinenserführung möchte vor allem den Wohnungsbau ankurbeln. Ein weiteres Problem: Ähnliche Plünderungen wie nach dem Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein sollen nach dem israelischen Abzug im Keim erstickt werden. Nach ersten Gesprächen mit der Palästinenserführung lobte Wolfensohn deren wachsende Kooperationsbereitschaft und „beeindruckenden Pläne“.

Bei der Weltbank in Washington geht mit dem Ausscheiden von Wolfensohn eine Ära zu Ende. Künftig steht der ehemalige US- Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz (61) an der Spitze des multilateralen Finanzinstituts. Der Nobelpreisträger und ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank, Joseph Stieglitz, äußerte die Sorge, „dass die Weltbank ein Instrument der US-Außenpolitik wird“.

US-Präsident George W. Bush hat die Verbreitung von Demokratie und Freiheit in aller Welt zum Leitmotiv gemacht. Eine andere Denkschule von Ökonomen meint, dass die Weltbank eine führende Rolle bei der Demokratisierung spielen sollte.

Wolfensohns wichtigster Beitrag sei gewesen, den Auftrag der Bank klarzustellen, nämlich Wachstum zu fördern und Armut auszurotten, sagt Stiglitz. Wolfensohn sei weniger als Widersacher wahrgenommen worden, der die westliche Wirtschaftsordnung oder Ideologie fördern wollte. Auch Wolfensohns Kampagne gegen die Korruption habe einen bedeutsamen Wechsel im Denken markiert, schreibt Stiglitz.

Unter Wolfensohn förderte die Weltbank auch humanitäre Projekte wie Bildung, Behindertenfürsorge sowie Aids-Prävention. Rückblickend bedauert der scheidende Präsident, dass die wichtigsten Politiker der Welt während seiner ersten Amtszeit die Auswirkungen von Aids nicht vorausgesehen hätten. In einer seiner letzten Reden in Washington sprach er sich außerdem dafür aus, dass Weltbankpräsidenten künftig aus einer größeren Zahl von Bewerbern transparent gewählt werden.

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