Wolfgang Bernhard
Daimlers oberster Trucker verlässt das Führerhaus

Für Daimler war 2016 das beste Jahr der Firmengeschichte. Allein das Truck-Geschäft schwächelt. Nachdem Sparten-Chef Wolfgang Bernhard ein Sparprogramm aufgelegt hat, verlässt er nun den Konzern – zur ungünstigen Zeit.
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StuttgartDie Tagesordnung der heutigen Daimler-Aufsichtsratssitzung war von einer wichtigen Personalie bestimmt: Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard verlässt den Konzern. Darüber hatte zuerst „Spiegel Online“ berichtet. Der 56-Jährige scheidet damit „auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus“, teilte das Unternehmen mit. Selbst der Aufsichtsrat wurde von seinen Plänen überrascht.

Bernhard verzichtet damit auf seine geplante Vertragsverlängerung, die in den kommenden Wochen angestanden hätte. Offiziell lief sein Vertrag bis Februar 2018. Bernhard wird „mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt“. Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff sagte: „Wir danken für seine engagierte Tätigkeit und respektieren seine Entscheidung.“

Bis ein Nachfolger für Bernhard gefunden ist, wird Daimler-Chef Dieter Zetsche die Leitung des Geschäftsfelds übernehmen. Als potenzielle Nachfolger Bernhards werden die Namen von Volker Mornhinweg, Chef der Transporter-Sparte, und Stefan Buchner, Chef der Lastwagenmarke Mercedes-Benz und verantwortlich für das Europageschäft, ins Spiel gebracht. Beide sind mit 57 Jahren allerdings schon älter als Bernhard selbst. Chancen werden auch dem Produktionschef der Pkw-Sparte, Markus Schäfer (51), eingeräumt. Er bringe die Technikaffinität mit, die für das Lastwagengeschäft notwendig sei, heißt es im Umfeld des Konzerns. Auch das Alter spricht für Schäfer.

Bernhards Abgang trifft Daimler zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Lastwagengeschäft läuft schlecht, weil wichtige Märkte wie Nordamerika schwächeln. Ein neues Sparprogramm, das jährlich 400 Millionen Euro Kosten reduzieren soll, sollte den Bereich zumindest, was den Gewinn angeht, wieder auf Kurs bringen. Bernhard wollte Details dazu bis Ende März ausarbeiten. Auch einen Stellenabbau schloss der als harter Sanierer bekannte Manager zuletzt nicht aus.

Weitere Einschnitte in der Truck-Sparte sind ambitioniert, wie Konzernkenner berichten. Die Nutzfahrzeugsparte ist in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gründlich auf Sparpotenziale abgeklopft worden. Bernhard sah aber offenbar keine Alternative. Einfach laufen lassen konnte er das Geschäft nicht. Denn im konzerninternen Vergleich fällt die Lkw-Sparte immer weiter hinter das Pkw-Geschäft zurück. Resistent gegen die Krisen melden die Autobauer mittlerweile eine Marge von mehr als 11 Prozent.

Für jemanden, der so ehrgeizig wie Bernhard ist, dürfte die Lücke schmerzlich gewesen sein. Doch im Lastwagengeschäft hat man die Dinge nicht immer in der Hand. Traditionell sind Truck-Verkäufe verlässliche Frühindikatoren für die Konjunktur. Sobald die Spediteure Zurückhaltung bei ihren Kunden spüren, stellen sie ihre Bestellungen zurück. Lastwagen fahren dann halt ein bisschen länger über die Straßen, wenn es sein muss auch ein paar Jahre. Anders als bei Autos helfen da auch keine Facelifts, um den Verkauf anzukurbeln.

Daimler als Weltmarktführer für Lkws ist für globale Verwerfungen besonders anfällig. Zwar hat sich der Absatz in Europa seit der Finanzkrise erholt, aber nun leiden Schwellenländer wie Indien und Indonesien unter Wachstumsschwäche und dem Verfall der Rohstoffpreise. In Russland hat sich der Absatz seit 2012 halbiert, und auch der Boom in den USA ist überschritten. Besonders hart trifft es Südamerika und dort mit Brasilien die größte Volkswirtschaft. Dort sind die Kapazitäten der Lkw-Branche teilweise noch nicht einmal zu einem Drittel ausgelastet, wie Experten berichten. Dass sich Truck-Chef Bernhard nun aus dem Daimler-Konzern zurückziehen will, überrascht umso mehr, da er zuletzt keinen schlechten Job gemacht hat. Er schaffte es in den vergangenen zwei Jahren trotz der Schwäche in fast allen Lastwagen-Märkten der Welt die Marge hoch zu halten. Bernhard trieb außerdem Zukunftsprojekte wie das „Autonome Fahren“ und „Elektromobilität“ in seiner Sparte voran.

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Ein Truck-Chef ohne Zukunftsaussicht im Konzern

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