Wolfgang Egger
Der Unverstandene

„Ich brauche keinen Ferrari, keine Yacht und keinen Privatjet“, sagt Wolfgang Egger. Mit 19 gründete er die Wohnimmobilienhandlung Patrizia. Dabei hätte der Mehrheitsaktionär und Vorstandschef der SDax-Gesellschaft auch heute noch allemal genug Geld, um alle drei Statussymbole auf einmal zu kaufen. Doch die interessieren ihn nicht.

DÜSSELDORF. So sehr er äußerlich durch seinen Pferdeschwanz in der Geschäftswelt auffiel, so bodenständig blieb der 43-Jährige auch nach dem erfolgreichen Börsenstart seiner Wohnimmobilienhandlung vor drei Jahren. Das Geld habe den Menschen Wolfgang Egger nicht verändert, sagt Bernhard Berg, Chef der AMB Generali Immobilien, der ihn aus vielen Gesprächen kennt. Egger lebe weiter nach dem selbst gewählten Motto: „Man erntet, was man sät.“

Heute wird der Audi-Diesel-Fahrer Egger, wie immer ohne Krawatte, inzwischen auch ohne Pferdeschwanz, aber mit nach wie vor schulterlangem Haar, in Augsburg vor der Hauptversammlung stehen. „Wir wollen in diesem Jahr operativ eine schwarze Null schreiben“, wird er voraussichtlich sagen. Den Wert der Aktie, der vor drei Jahren achtmal höher war, wird das kaum bewegen.

Damals riss man Egger die Aktien aus der Hand. Als der Kurs am ersten Börsentag von 18,50 auf 23 Euro schnellte, ließ ihn das kalt. „Das geht mir am Arsch vorbei. Ich kann sowieso nicht mehr als dreimal am Tag essen“, sagte er einem Reporter der „Financial Times Deutschland“ an diesem Tag.

So würde er das heute nicht mehr formulieren. Er hat gelernt: In einer Finanzwelt, in der sich Vorstände wie die Diplomaten des Auswärtigen Amts verhalten, eckt an, wer sagt was er denkt. Beim Börsengang strich er rund 250 Mio. Euro ein, die er bei einer Kapitalerhöhung wieder einsetzen wollte. Als er das Anfang 2007 nicht tat, war er am Kapitalmarkt unten durch. „Die einen haben mir vorher gesagt: „Zeichne nicht – der Streubesitz muss steigen. Als der Kurs später sank, hieß es: Wenn Du bei einer Kapitalerhöhung nicht mitmachst, denken alle, dass Du kein Vertrauen in Dein Unternehmen hast.“ Heute weiß er: So wenig wie er Analysten versteht, so wenig verstehen sie ihn. Dieses Feld überlässt er nun seinem Finanzvorstand Arwed Fischer. Egger selbst verlässt sich auf seine Immobilienkompetenz, mit der er nun schon die dritte Immobilienkrise überstehen will.

Seiner Mutter konnte es der junge Wolfgang Egger zunächst so wenig recht machen wie den Analysten. Statt Abitur machte er mittlere Reife und jobbte auf dem Bau, um sich eine Profikamera zu kaufen. Den Maurerberuf redete die Mutter ihm aus. Er wurde Zahntechniker. Die Faszination von Beton und Steinen aber blieb. Mit 19 Jahren gründete er die Patrizia.

Er kauft Miethäuser und verkauft die Wohnungen darin an Mieter oder Kapitalanleger. Solche Leute haben gewöhnlich einen schlechten Ruf. Umso erstaunlicher ist es, dass der Münchener Mieterverein kein böses Wort über Patrizia verliert. „Patrizia ist profitorientiert. Aber man kann sich mit der Firma arrangieren“, sagt Monika Schmid-Balzer, stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins.

Geld will der Vater einer 18-jährigen Tochter sehr wohl verdienen. Doch was er damit macht, wissen nur wenige. „Was mir persönlich sehr gefällt, ist sein soziales Engagement“, sagt Bernhard Berg. Mit seiner Patrizia Kinderhaus-Stiftung tut Egger Gutes, redet aber nicht darüber – so wenig wie über andere karikative Projekte. Er sät, was er ernten möchte: „Ich unterstütze und fördere diejenigen, von denen ich den Eindruck habe, dass sie damit die Welt etwas besser machen.“

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