Wolfgang Heer
Von Endorphinen und unangenehmen Wahrheiten

Seit 100 Tagen führt er den Südzucker-Konzern. Wolfgang Heer gilt als unkomplizierter, zurückhaltender Chef. Manche bemängeln das als Farblosigkeit. Doch Heer hat genaue Vorstellungen, die er entschlossen umsetzt. Süß ist sein Job nicht - das Geschäft mit dem Zucker lahmt. Deshalb setzt er auf herzhafte Pizzen.
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MANNHEIM. Wolfgang Heer mag Pizza. "Das ist ein Lebensmittel, das interkulturell funktioniert", sagt er. Doch manchmal gibt es Situationen, da verflucht er den Teigfladen. Wenn er einen aus Holland, belegt mit Aprikosen oder indischen Gewürzen, kosten muss etwa. Auch britische Pizza, die mangels Salz fad schmeckt, probiert der Chef der Südzucker AG nicht besonders gern. Aber er hat eine Mission: "Wir wollen neben dem Zuckergeschäft ein anderes Standbein haben", sagt Heer. Pizza ist ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie.

Der Südzucker-Chef ist seit hundert Tagen im Amt. Kein leichter Job. Kaum ein global agierender Konzern ist stärker vom politischen Willen abhängig als die im MDax gelistete Mannheimer Südzucker AG: mit 18 000 Mitarbeitern, fast sechs Milliarden Euro Umsatz und einer Jahresproduktion von 4,2 Millionen Tonnen Europas größter Zuckerhersteller.

Er produziert viel für den Discounter Aldi

Bis 2012 rechnet Heer damit, nur noch die Hälfte seines Geschäfts mit Zucker zu machen - eine Folge der EU-Zuckermarktreform. Er muss deshalb nach Alternativen suchen. "Wenn uns eine tolle Perle über den Weg läuft, die in unser Portfolio passt, werden wir zugreifen", sagt Heer.

Schon jetzt produziert der Konzern neben Tiefkühlpizzen für Handelsmarken - Aldi ist Hauptkunde - auch Fruchtzubereitungen, Saftkonzentrate und Stärke. Die Ingredienzien stecken in Produkten von Hipp-Babybrei bis zu Rucola-Bonbons. Mittelfristig soll die nicht zuckrige Geschäftssparte für mehr als die Hälfte des Umsatzes sorgen.

Wolfgang Heer arbeitet zwar seit mehr als 20 Jahren für Südzucker. Doch er hat es schwerer als sein Vorgänger an der Südzuckerspitze: Theo Spettmann, aufgewachsen auf einem Bauernhof, konnte es gut mit den Aktionären des Konzerns, den 20 000 Rübenbauern, die als Lieferanten und Anteilseigner an Ertrag und Dividende gleich doppelt verdienen. Heer muss die Zusammenarbeit mit den Landwirten ohne Spettmanns Agrarexpertise bewältigen. "Ich habe noch nicht mal einen grünen Daumen", sagt er. "Und auch mein Garten ist extrem pflegeleicht angelegt."

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