Wolfgang Joop: „Bedauern und Melancholie sind mir nicht mehr fremd“

Wolfgang Joop
„Bedauern und Melancholie sind mir nicht mehr fremd“

Manager sollen funktionieren wie Maschinen. Doch es gibt Faktoren, die sich einem rationalen Umgang entziehen. Wolfgang Joop, 67, über schöpferische Kräfte, die Kunst der Konzentration und die Panik vor dem Scheitern.
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Wer die Villa Wunderkind im feinen Potsdamer Quartier Berliner Vorstadt betritt, der ahnt schnell, dass hier ein Künstler wirkt. Das Haus, das zu Zeiten der sowjetischen Besatzungszone als britische Militärmission gedient hat, gleicht im Inneren teils einem Atelier, teils einem Museum: Fertige, aber auch noch im Prozess des Entstehens befindliche Skulpturen, großflächige Gemälde und Fotoserien, dazu Möbel und Porzellan aus verschiedensten Epochen, ausgestellt meist auf blankem Marmor, sorgen für eine gleichsam schöpferische, aber auch kühle Atmosphäre.

Pralles Leben hauchen dem herrschaftlichen Gebäude am Ufer des Heiliger Sees zunächst Charlotte und Gretchen ein, die in Gestalt eines Dalmatiners und eines Rhodesian Ridgebacks die Gäste umschwärmen - ehe der Hausherr dann endlich und plötzlich in der Tür steht: Wolfgang Joop (67), Maler, Bildhauer, Buchautor und - immer noch - auch Modedesigner.

Diese Profession hat ihn bekannt und wohlhabend gemacht. Und dass er sich weiter auch als großer Couturier sieht, daran lässt er keinen Zweifel. Während des dreistündigen Interviews und der Bildaufnahmen mit dem Handelsblatt wechselte er gleich dreimal sein Erscheinungsbild.

Er trägt, macht, braucht die Mode, weil ihm die Kunst allein zu langsam ist. Da fehle ihm schlicht der Druck und Zwang, morgens aufzustehen und, wie für eine neue Kollektion manchmal nötig, bis zum Abend neue Schnittmuster oder Farbkarten zu liefern. Am Donnerstag präsentierte er in Potsdam die neue Winterkollektion seiner Marke Wunderkind.

Handelsblatt: Herr Joop, haben Sie Ihren schöpferischen Höhepunkt eigentlich schon erreicht?

Wolfgang Joop: Eindeutig nein, der liegt noch vor mir, wenn mich die Demenz nicht packt. Denn ich werde immer präziser in meiner Vorstellungskraft. Auch die Erfahrung hat mich ausgebildet. Ich habe aus Fehlern gelernt und überblicke Proportionen und Balancen schneller und besser. Das beschleunigt das Gestalten ungemein. Und die Lust dazu ist ungebrochen. Aber um den Physiker Max Planck zu zitieren: ,Alles, was seine endgültige Größe erreicht hat, implodiert.'

Kommentare zu " Wolfgang Joop: „Bedauern und Melancholie sind mir nicht mehr fremd“"

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  • Joop widerspricht sich selbt. Erst sagt er, dass sich die Investoren nichts trauen und zur Sicherheit nur gemeinsam anlegen. Im nächsten Satz dann: Er hätte eine vorsichtigere Planung zugrunde gelegt, wenn er Wunderkind von Anfang an alleine gestartet hätte.
    Die Rückendeckung gab ihm ein Schub von Bedenkenlosigkeit.

  • "Heute gibt es Hedge-Fonds und Private-Equity-Gruppen, die sich Profit und Risiko teilen wollen, die sich allein nichts trauen. Das ist, als würde ich mir neuen Zahnersatz teilen wollen. Die investieren sogar in ein Gemälde nur mit anderen und teilen es sich dann. Wo ist da noch der wirkliche unternehmerische Aspekt?"

    Big!

  • Wir brauchen in Deutschland viel mehr fähige Menschen wie Herrn Joop, und dafür viel weniger Versager, Abschaum und Verbrecher wie LaFontaine, Wagenknecht und Gabriel.

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